Vor dem Abschlussbericht von Franz Walter : Grüne rügen eigene Haltung zu Pädophilie

Das Thema Pädophilie stürzte die Grünen vor der Wahl 2013 in die Krise. Hintergrund waren Parteibeschlüsse zu den Forderungen von Pädophilen in den 80er Jahren. Am Mittwoch legt der Wissenschaftler Franz Walter seinen Abschlussbericht zu diesem Komplex vor.

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Arbeitet die Vergangenheit der Grünen zu positiven Beschlüssen zur Pädophilie auf. Franz Walter, Politikwissenschaftler aus Göttingen.
Arbeitet die Vergangenheit der Grünen zu positiven Beschlüssen zur Pädophilie auf. Franz Walter, Politikwissenschaftler aus...Foto: dpa

Die Grünen wollen weitere Konsequenzen aus der Pädophilie-Debatte ziehen, die der Partei im Bundestagswahlkampf 2013 einen deutlichen Ansehensverlust gebracht hat. „Wir wollen unsere Partei und die Gesellschaft weiter für das Thema sexueller Missbrauch sensibilisieren. Eine Möglichkeit wäre, in der Partei Ombudsleute als Ansprechpartner zu benennen und für diese Aufgabe zu schulen“, sagte die Grünen-Vorsitzende Simone Peter dem Tagesspiegel. Die Partei beziehe „seit langem klar Position gegen sexuellen Missbrauch und für den Schutz von Kindern“, sagte Peter weiter. „Aus unserer Geschichte folgt eine Verpflichtung, diesen Einsatz noch zu verstärken.“

Am Mittwoch stellt der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter seinen Abschlussbericht zu Umfang und Auswirkungen pädophiler Forderungen bei den Grünen in den 80er Jahren vor. Die Studie hatten die Grünen Mitte 2013 in Auftrag gegeben. Nach der Wahl richtete die Partei auch eigene Aufarbeitungs-Kommissionen in Bund und Ländern ein. Seit dem Sommer gibt es außerdem eine telefonische Anlaufstelle, an die sich Opfer sexuellen Missbrauchs wenden können.

Nicht jede Minderheit hat Recht

Bisher haben sich dort vier Personen gemeldet. „Nach allem, was wir bisher wissen, waren die Grünen kein Ort der Tat“, sagt Peter. „Aber wir haben in den 80er Jahren Beschlüsse gefasst, die Täter als Legitimation verstehen konnten. Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen.“

Für den niedersächsischen Landesvorsitzenden Jan Haude ist eine der Lehren aus dem Aufarbeitungsprozess, dass die Partei genauer hingucken muss, wie sie mit Minderheiten umgeht. „Grundsätzlich ist es ja richtig, wenn man offen für Minderheiten und deren Anliegen ist. Wir müssen aber kritischer als bisher prüfen, ob wir deren Forderungen eins zu eins übernehmen.“

Einen ausführlichen Bericht zum Thema lesen Sie an diesem Dienstag im gedruckten Tagesspiegel.

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