Vor dem Klimagipfel in Paris : Australien enttäuscht

Das Klimaziel von Premier Abbott ist bescheiden. Städte und Firmen sind viel ehrgeiziger. Das ist auch der Grund, warum die UN-Klimachefin an einen Erfolg in Paris glaubt.

von
Australiens Ministerpräsident Tony Abbott (rechts) und sein Umweltminister Greg Hunt versuchen am Dienstag das Klinaziel ihres Landes bis 2030 etwas besser aussehen zu lassen. Der größte Kohleexporteur der Welt hat ein eher enttäuschendes Angebot vorgelegt.
Australiens Ministerpräsident Tony Abbott (rechts) und sein Umweltminister Greg Hunt versuchen am Dienstag das Klinaziel ihres...Foto: Lukas Coch/dpa

Rund vier Monate vor dem Pariser UN-Klimagipfel haben 26 Staaten ihre Angebote vorgelegt, wie sie sich den Klimaschutz bis 2030 vorstellen. Am Dienstag hat Australien sein selbst gestecktes Ziel, das sogenannte INDC, beim UN-Klimasekretariat in Bonn eingereicht. Ministerpräsident Tony Abbott kündigte an, den Treibhausgasausstoß bis 2030 um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005 zu senken. „Wir müssen unsere Emissionen reduzieren, aber wir müssen dies im Einklang mit unserem weiteren, starken Wirtschaftswachstum tun“, zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa. Australien ist der weltgrößte Kohleexporteur.

David Waskow, Klimaexperte des Washingtoner World Resources Institutes (WRI) nannte das australische Angebot auf dem Kurznachrichtendienst Twitter „enttäuschend“. Der Chef des New Climate Institute, Niklas Höhne, hat Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Angebots. Er sagte dem Tagesspiegel: "Das Ziel an sich erscheint erst mal als Trendwende." Die Emissionen würden "ohne weitere Maßnahmen weiter steigen". Das INDC verspreche zumindest eine Reduktion. "Das passt aber nicht mit der Politik der jetzigen Regierung zusammen, die ja gerade die wichtigsten klimapolitischen Maßnahmen der Vorgängerregierung wieder zurück genommen hat", sagte Höhne. Bisher hat Australien seine Klimaziele nur durch eine „kreative“ Anrechnung von Wald halten können. Aber auch in Australien gab es Kritik. Umweltminister Greg Hunt hatte sich im Vorfeld dafür eingesetzt, dass Australien zumindest eine 30-prozentige Emissionsminderung im Vergleich zu 2005 anbieten sollte, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Australien hat mit 16,5 Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Kopf und Jahr einen der höchsten Werte in den Industrieländern, nur die USA liegen noch eine halbe Tonne darüber. Im Gegensatz zu Australien, das wie Neuseeland, Kanada, Russland oder Japan weit unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, hatte US-Präsident Barack Obama Anfang August das US-INDC sogar noch einmal verbessert. Da die USA auch in absoluten Zahlen zu den großen Verursachern des Klimawandels gehören, hat das eine positive Wirkung auf die Emissionen und auf die Stimmung vor dem Pariser Gipfel.

Die Europäische Union hat bis 2030 eine Emissionsminderung von 40 Prozent im Vergleich zu 1990 angekündigt. China will den Höhepunkt seines Treibhausgasausstoßes vor 2030 erreichen und seine Wirtschaft um ein Vielfaches effizienter und damit klimafreundlicher machen.
Nach Einschätzung der vier Forschungsinstitute, die mit dem Climate Action Tracker die INDCs bewerten, haben sowohl China, Europa als auch die USA gute Chancen, ihre Ziele tatsächlich zu erreichen. Das ist beim australischen INDC dagegen nicht sicher. Australien hat schon das Kyoto-Ziel gerissen. Bis 2012 hätte Australien seinen Treibhausgasausstoß um acht Prozent erhöhen dürfen. Nach Berechnungen der Klimaexperten lag er aber um mehr als 40 Prozent über dem Wert von 1990.
Was UN-Klimachefin Christiana Figueres dennoch optimistisch stimmt, ist das weltweite Engagement von Städten, Unternehmen und Regionen, die bis zum Dienstag knapp 3000 Emissionsminderungsziele gemeldet haben. Das niederländische Ecofys-Institut hat die „robustesten“ Vorschläge im Auftrag des UN-Umweltprogramms Unep zusammengezählt und beträchtliche Emissionsminderungen ermittelt: Zwischen 2000 und 3300 Megatonnen CO2 könnten durch diese freiwilligen Beiträge nicht-staatlicher Akteure zusammenkommen. Angesichts von Minderungszusagen der Staaten bis 2020 von lediglich 5000 bis 7000 Megatonnen, ist das eine ganze Menge, finden die Autoren Rolf de Vos und Kornelis Blok. Rund 1000 Megatonnen haben sie allerdings sicherheitshalber gleich wieder herausgerechnet, weil nicht auszuschließen ist, dass sie doppelt gezählt werden – auf dem Staatskonto und dem nicht staatlichen Klimakonto.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben