Vor dem Klimagipfel : UN warnen vor gefährlicher Erderwärmung

Nach kontroversen Verhandlungen gibt es einen Rahmenentwurf für den UN-Klimagipfel in Paris. Doch die nationalen Pläne zur Reduzierung der CO2-Emissionen reichen noch nicht, mahnen Jochen Flasbarth vom Bundesumweltministerium und UN-Klimachefin Figueres.

Nicole Sagener
Die Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol, aufgenommen im August dieses Jahres.
Die Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol, aufgenommen im August dieses Jahres.Foto: dpa

In einem Monat beginnt die 21. UN-Klimakonferenz in Paris (COP 21). Deren Ziel ist eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf maximal zwei Grad bis 2050. Der Ausstoß an Treibhausgasen soll sinken. Doch davon ist die Weltgemeinschaft weit entfernt – trotz aller Fortschritte, die Jochen Flasbarth vom Bundesministerium und UN-Klimachefin Christina Figueres bei der Vorstellung des UN-Berichts über die nationalen Klimaziele am Freitag hervorhoben.

„Bis jetzt haben bereits 146 Länder ihre nationale Klimaziel-Pläne (INDCs) für die Klimaschutzbemühungen der UN eingereicht - darunter auch 75 Prozent aller Entwicklungsländer“, verkündete Figueres. Etwa die Hälfte der Länder wolle nicht nur die Emissionen bis 2030 reduzieren, sondern darüber hinaus ihre Wirtschaft weiter dekarbonisieren, lobte sie.

Werden die eingereichten Ziele voll implementiert, würden bis 2040 die Emissionen um neun Prozent sinken - das Bevölkerungswachstum eingerechnet -, so die neuesten UN-Berechnungen. Bis 2025 würden damit weltweit bereits vier Gigatonnen weniger Emissionen ausgestoßen.

Figueres unterstrich die Wirkmacht der nationalen Ziele: Ohne die INDCs würde die Temperatur global bis 2100 um vier bis fünf Prozent steigen, mit den nationalen Zielen bliebe der Temperaturanstieg bei etwa 2,7 Grad. "Wir bewegen uns in die richtige Richtung, um die Temperaturen zu senken", so die Chefin des UN-Klimasekretariats. "Aber es reicht nicht."

Laut Wissenschaftlern ist der Wert von zwei Grad die Höchstgrenze, um die Folgen des Klimaerwärmung wie Dürren oder Überschwemmungen künftig einigermaßen zu beherrschen.

"Wir sind noch nicht, wo wir sein müssen", sagte auch der Staatssekretär aus dem Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth. Selbst die prognostizierten 2,7 Grad seien noch nicht sicher.

Rechtliche Verankerung der nationalen Klimaziele steht noch aus

Wie und ob das ehrgeizige Ziel umgesetzt werden kann, hängt von den Verhandlungen in Paris ab. Die Regierungen müssen dort zum einen entscheiden, wie sie die INDCs umsetzen und rechtlich verankern. Zum anderen gilt es, einen Pfad für eine weitere Verbesserung zu schaffen.

Die letzte Verhandlungsrunde vor Paris in Bonn hatte für die Verhandlungen im Dezember einen Entwurf vorgelegt und sich darin auf zwei hochpolitische Themen fokussiert: Zum einen auf die Mittel zum Kampf gegen die der globalen Erwärmung. Zum anderen auf die Frage, wie man Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel helfen wird, vor allem den weniger entwickelten Ländern. Der Entwurf hält jedoch an den wichtigsten Stellen die Entscheidung offen.

"Die INDCs werden Teil des Klimavertrages sein“, sagte Flasbarth. Es sei aber noch offen, ob sie auch Teil der völkerrechtlichen Bindung sein werden - wofür sich Deutschland einsetze. Flasbarth beruhigte aber: "Es gibt in allen Ländern die Bereitschaft, selbst einen Beitrag zu leisten. Darum glaube ich an eine politische Verbindlichkeit."

Kosten für Erneuerbare heute wesentlich geringer

Auch Figueres zeigte sich optimistisch. Seit den letzten Verhandlungen in Kopenhagen hätten sich einige Rahmenbedingungen positiv gewandelt. So seien die Kosten für Solar- und Windtechnologie inzwischen wesentlich geringer. Zudem würden die Kapitalmärkte nun die Risiken von fossilen Rohstoffen klarer sehen. 2,6 Billionen Dollar an Kapitalmarkt-Finanzierung hätten sich heute schon verschoben von fossile auf erneuerbare Energien.

Die größte Herausforderung sieht Figueres in den Entwicklungsländern. Die Industrieländer würden diesbezüglich eine historische Verantwortung tragen, mahnte sie. "Sie müssen zuerst ihre eigenen Emissionen verringern, aber dann auch den Entwicklungsländern dabei helfen - durch Investitionen auch in den öffentlichen Sektor, und durch die Finanzierung des Kohlenstoffmarktes."

Erschienen bei EurActiv.
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