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Vor dem Massaker in Oslo : Attentäter verschickte Manifest gezielt an Rechtsextremisten

Kurz vor den beiden Anschlägen in Norwegen hat der Täter, Anders Behring Breivik, sein 1500 Seiten umfassendes Pamphlet nach Informationen des Tagesspiegels gezielt an mehrere hundert E-Mail-Adressen von Rechtsextremisten in Europa und den USA geschickt.

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Sicherheitskreise berichteten am Montag, Breivik habe am Freitag zwischen 14 Uhr 08 und 14 Uhr 18 das Manifest an rechtextreme Organisationen und Gruppierungen gesandt. Eine Stunde später explodierte die Bombe in Oslo. Zu den Adressaten der E-Mails von Breivik zählten auch deutsche Rechtsextremisten.

Breivik habe das Manifest an die NPD-Zentrale in Berlin sowie an Mail-Adressen der Partei in Erfurt, Aschaffenburg und Unna geschickt, sagten Sicherheitsexperten. Ein Funktionär der Partei beteuerte hingegen, es sei von Breivik nichts eingegangen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sollen Gruppierungen wie der „Nationale Widerstand Dortmund“, die „Autonomen Nationalisten Ostfriesland“ und die rechtspopulistische Partei „Bürger in Wut“ ebenfalls Empfänger gewesen sein. "Bürger in Wut" sind mit einem Sitz in der Bremischen Bürgerschaft vertreten. Derzeit gebe es allerdings keine Hinweise, dass Breivik Kontakte zu deutschen Rechtsextremisten unterhalten habe, hieß es in Sicherheitskreisen. Doch werde weiter geprüft, ob es Verbindungen gab.

Außerhalb Deutschlands erhielten Rechtsextremisten in Breiviks Heimatland Norwegen sowie zumindest in Schweden, Großbritannien, Belgien, der Schweiz, Tschechien, der Slowakei, Rumänien und den USA sowie vermutlich in weiteren Staaten das Manifest zugesandt.

Breivik habe offenbar schon lange vor der Tat systematisch rechtsextreme und rechtspopulistische Mailadressen gesammelt, sagten Sicherheitsexperten. Mit der Verbreitung des Pamphlets kurz vor dem Beginn der Massaker in Oslo und auf der Insel Utöya habe Breivik wahrscheinlich „auch in der rechten Szene ein Fanal setzen wollen“, hieß es.

Die Sicherheitsbehörden in anderen europäischen Staaten und den USA untersuchten ebenfalls, ob Breivik zu den von ihm am Tattag angemailten Adressen zuvor schon Kontakte unterhalten hatte.  

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