Politik : Vor den Landtagswahlen: Jetzt putzt Teufel - Wahlkampfauftakt in Stuttgart

Reiner Ruf

"Wer einmal die Seuche hat, der kriegt sie nicht mehr los". So pflegt es der Stuttgarter SPD-Fraktionschef Ulrich Maurer mit Blick auf die CDU in diesen für die Südwest-Genossen so hoffnungsfrohen Tagen zu sagen. In der Tat, die erfolgsverwöhnte CDU, die sich selbst gern als "Baden-Württemberg-Partei" bezeichnet, wird auch bei ihrem zentralen Wahlkampfauftakt mit Ministerpräsident Erwin Teufel, seinem CSU-Kollegen Edmund Stoiber und der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel vom Pech verfolgt. Schnee-Attacken eines missgünstigen Wettergotts erschwerten die Anreise auf den Stuttgarter Killesberg. So bleiben denn auch Plätze frei in der kalten Messehalle.

Unglücklich auch, wie ausgerechnet der biedere Erwin Teufel versucht, den Stoiber zu spielen. Jener Teufel, der in wahlkampffreien Zeiten doch eher mit Besonnenheit und Nachdenklichkeit denn mit starken Sprüchen agiert. Aber nein, an diesem Tag will er partout die rot-grüne Politik aus Berlin "wegputzen": Gesundheitsreform, 630-Mark-Gesetz, Ökosteuer, Novelle der Betriebsverfassung: alles "wegputzen". Ganz hinten in der Halle schlägt ein hoher Beamter des Stuttgarter Staatsministeriums vor, sein oberster Chef solle doch Joschka Fischer als Anführer seiner Putzkolonne anstellen.

Teufel hört das nicht, Teufel entnimmt seinem Redemanuskript, dass er es der Bundesregierung "zeigen" will. Und dass er um Gottes Gnade bitte, dass dem Land eine rot-grüne Regierung erspart bleibe. Und, natürlich, dass Baden-Württemberg spitze sei. Auf allen Gebieten und bei zwölf Prozent Bevölkerungsanteil mit 35 Prozent der Bundessieger auch beim Wettbewerb "Jugend musiziert". Erwin Teufel reimt: "Kein besser Land in dieser Zeit, als hier das unsere weit und breit." Angela Merkel sagt ein paar Musical-Einlagen später, es geht um Agrarpolitik und die bauernfeindlichen Sozialdemokraten: "Nicht mit der Kuh auf Muh stehen, sondern mit dem Bauer auf Du."

Es ist Wahlkampf, aber keiner distanziert sich. Es bedarf schon eines Edmund Stoiber, um auf den Punkt zu bringen, was der Südwest-CDU Not tut: Es sei wichtig, sagt er vornehm, die "gute" Stimmung zu halten, "sie auch zu verbessern". Das hat die CDU auch nötig. Die letzte Umfrage von infratest dimap notiert sie bei 39 Prozent. Die SPD liegt bei 35 Prozent - plus zehn Prozent im Vergleich zum Wahldesaster vor fünf Jahren. Die CDU/FDP-Koalition wackelt. Für Baden-Württemberg ist das revolutionär. Stoiber spürt die gedrückte Stimmung, die man hochbringen müsse, "wie es dem Level des Landes entspricht". An Angela Merkel adressiert er: "Wenn die Not groß ist in Deutschland, dann kommt die Rettung aus dem Süden." Auch das ist eine Aufforderung, es den Berlinern zu zeigen bei der Wahl, doch diesmal ist nicht Rot-Grün gemeint.

Den Teufel-Kritikern in der Süwest-CDU gibt Stoiber eine Weisheit aus der Welt des innig geliebten Fußballs mit auf den Weg: "Bei einer erfolgreichen Mannschaft wechselt man nicht den Trainer." Kein Zweifel: Der Jubel nach Stoibers Rede ist inniger als zuvor bei Teufel. Angela Merkel kann anschließend nur knapp mithalten. Dann Deutschlandhymne und Schluss.

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