Politik : Vor den Neuwahlen: Angst vorm roten Mann

Robert Ide,Matthias Meisner

Constanze Krehl, die sächsische Landeschefin der SPD, hat genug Fantasie, um zu ahnen, dass Neuwahlen in Berlin zum Debakel für ihre Partei werden könnten. PDS-Kandidat Gregor Gysi sollte nicht unterschätzt werden, mahnt sie: "Ein wirklich brillanter Darsteller seiner selbst, der sehr betören kann." Haben die Sozialdemokraten Angst vor Gysi? In der Partei wächst die Nachdenklichkeit.

Generalsekretär Franz Müntefering versucht zu besänftigen: "Gysi wird nicht Bürgermeister dieser Stadt sein." Begründung: Die Sozialdemokraten würden sowieso stärkste Partei. Aber was passiert, wenn das nicht eintritt? In der Bundestagsfraktion sind die Meinungen gespalten, nach anfänglichem Stillhalten regt sich Protest gegen Kooperationen mit der PDS. So hat der Gesprächskreis "Neue Mitte", ein Bündnis ostdeutscher Sozialdemokraten, eine rot-rote Koalition als "Notsituation" eingestuft. "Eine solche Situation dürfte der SPD schaden", heißt es in einem Papier, das auch der Parlamentarische Geschäftsfüherer Uwe Küster unterschrieb. Und der Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium, Stephan Hilsberg, findet: "Als dauerhafter Koalitionspartner taugt die PDS nicht."

Müntefering sieht das offenbar anders. Eine Regierungsbeteiligung der PDS im Bund schließt er nach der Bundestagswahl 2006 nicht aus. Allerdings müssten sich die Sozialisten grundsätzlich ändern, besonders in der Außen- und Sicherheitspolitik. Bei ostdeutschen Sozialdemokraten stößt Münteferings Strategie auf Kritik. Der thüringische SPD-Chef Christoph Matschie meint: "2006 ist zu weit entfernt, als dass man heute schon Überlegungen anstellen sollte." Und auch Krehl hält die Debatte für "grundsätzlich falsch". Die Leipzigerin flüchtet sich bereits in eine alte, neue Hoffnung: "Wenn die CDU wirklich ihren eigenen Laden aufräumt, könnte ich mir für Berlin auch eine erneute Große Koalition vorstellen."

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