Politik : Vor den Neuwahlen: Grüner Glamour

Matthias Meisner,Robert Von Rimscha

Ein Landespolitiker oder eine Bundesgröße als Spitzenkandidat? Alle anderen Parteien haben sich entschieden - die Grünen ringen noch. Nach den Absagen von Cem Özdemir und Andrea Fischer läuft vieles auf Sibyll Klotz zu, die Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus. Die Ost-Berlinerin Klotz selbst hat am Dienstag ihre mögliche Rolle im Fernsehen geübt - mit einem Angriff auf Gregor Gysi. Vor allem die Haushaltskonzepte des PDS-Spitzenmannes seien "dürftig".

Dass eine medienwirksame Spitzenkandidatin noch fehlt, bringt die Landesvorsitzende Regina Michalik auf die galante Formel: "Die grüne Gregoria Gysi habe ich gerade noch nicht, aber für Tipps bin ich dankbar." Es lägen "einige interessante Namen sowohl aus dem Bund wie auch aus Berlin vor", meint Michalik. Und Bundes-Parteichefin Claudia Roth betont: "Es wird eine profilierte Frau die Spitzenkandidatur machen." Der erste Listenplatz sei keine Fassade, hinter der Männer die Politik bestimmten. Roth: "Es ist klar, dass wir in Zeiten, in denen Medien und Bilder eine große Rolle spielen, nachdem nun vier glamouröse Männer von den anderen Parteien aufgestellt worden sind, mit einer Spitzenkandidatin unser Profil zeigen."

Nach Ansicht der Grünen wird die Neuwahl "hohe bundespolitische Bedeutung" haben, wie Roth sagt. Aber die Absage von Wolfgang Schäuble für die CDU-Spitzenkandidatur habe die Lage etwas entzerrt und eine bundespolitische Polarisierung vermieden. Auch in der Führung der Bundespartei wird nicht mehr damit gerechnet, dass "weiter oben" noch nach einem Spitzenkandidaten gesucht wird. Michaele Schreyer, die aus Berlin stammende EU-Haushaltskommissarin, wird zwar von einigen immer noch bearbeitet. Doch kaum einer rechnet damit, dass Schreyer ihren gut dotierten Posten in Brüssel für den Landeseinsatz in Berlin aufgeben wird.

Vor allem in der Bundestagsfraktion wird noch immer bedauert, dass zwei öffentlich gehandelte Bewerber inzwischen abgewunken haben. "Regelrecht verhindert" worden sei der türkischstämmige Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir, obwohl der etwa beim Thema Migration hätte wichtige Akzente setzen können, klagen seine Freunde. Und auch Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer scheiterte am Widerstand der Parteilinken. "Wenn alles gestimmt hätte, Andrea Fischer wäre in die Schlacht gegangen", glauben Vertraute. Aber es stimmte eben nicht: Die angedeutete Kritik von Parteifreunden, man werde schlecht mit einer gescheiterten Ministerin in den Wahlkampf ziehen können, tat ihre Wirkung.

Alle in der Partei ahnen, nach Gysis Kandidaturansage wird der Wahlkampf nicht leicht. So will auch Özdemir, obwohl brüskiert, "als treuer Parteisoldat" im Wahlkampf mithelfen. Eine Zusammenarbeit mit der PDS schließt auch er nicht aus.

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