Politik : Vor der Klimakonferenz: Ausnahmen sollen das Abkommen retten

Claudia von Salzen

Die Deiche in Schleswig-Holstein werden in Zukunft noch ein Stück höher gebaut - um den Klimaveränderungen Rechnung zu tragen. Für Bundesumweltminister Jürgen Trittin ist das ein Zeichen dafür, dass die Folgen der Erderwärmung schon greifbar sind. "Der Klimawandel ist bereits in vollem Gange", warnt auch der Direktordes Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim Schellnhuber. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Expertengruppe IPCC in ihrem jüngsten Bericht. Eine völlig neue Politik sei gefordert.

Doch die Klimaverhandlungen befinden sich nach den Worten Trittins derzeit aneinem Scheideweg. Ob bei der Bonner Konferenz in vierzehn Tagen doch noch ein international verbindliches Abkommen zur Reduktion der Treibhausgase zustande kommt, ist fraglich. Nach der Absage der USA, die zuvor das Kyoto-Protokoll aufgekündigt hatten, sieht der Umweltminister jetzt Japan und Russland in einer Schlüsselrolle. Japan hat jedoch Probleme, sein Klimaschutzziel einzuhalten. Trittin hält aber einen Kompromiss für möglich: Japan könnte sich - wie gewünscht - Wälder als so genannte Senken anrechnen lassen. "Ich glaube nicht, dass Japan den Weg der USA gehen wird", sagte Trittin. Doch das Entgegenkommen der Bundesregierung geht nur bis zu einem gewissen Punkt: Den Vorschlag der Japaner, das Kyoto-Protokoll den Wünschen der Amerikaner anzupassen, lehnte der Umweltminister ab. "Die Ergebnisse zur Ausgestaltung des Kyoto-Protokolls müssen dessen ökologische Integrität wahren", betonen SPD und Grüne in einem Antrag, der am Donnerstag im Bundestag behandelt wurde. "Wissenschaftlich fragwürdige Senkenanrechnungsverfahren" dürften nicht beschlossen werden, fordert die Koalition.

Zum Thema Rückblick: Der gescheiterte Klimagipfel in Den Haag Für begrenzte Kompromisse warb der Klimaforscher Schellnhuber: "Das Kyoto-Protokoll würde selbst in einer sehr weichen Form schon dafür sorgen, dass der Trend des Anstiegs der Emissionen umgekehrt wird." Gegen das Argument der USA, die Senkung des CO2

Ausstoßes schade der Wirtschaft, führt die internationale Expertengruppe ins Feld, dass die Emissionsminderungen gesamtwirtschaftlich gesehen keine oder minimale Wachstumsverluste zur Folge haben. Es komme sogar zu einem zusätzlichen Nutzen durch mehr Beschäftigung und schnellere Innovationen.

Die Alternative sieht düster aus. Bei einem Scheitern des Abkommens fürchtet Trittin, dass nicht nur in den USA, sondern auch in Europa der C02 Ausstoß wieder ansteigt. Die erwartete Erwärmung der Erde birgt unkalkulierbare Risiken - Stürme, Dürren und Überschwemmungen sind nur einige Folgen.

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