• Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg: "Ich wollte mit meiner Spende einen Ausgleich schaffen"

Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg : "Ich wollte mit meiner Spende einen Ausgleich schaffen"

Der Vermögensverwalter Jochen Wermuth hat den Grünen in Baden-Württemberg 300 000 Euro für den Wahlkampfendspurt gespendet. Im Interview erklärt er, warum.

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Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einem Besuch im im Mercedes-Benz-Werk Untertürkheim
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einem Besuch im im Mercedes-Benz-Werk UntertürkheimFoto: dpa/Franziska Kraufmann

Sie haben die Grünen in Baden-Württemberg mit einer Spende von 300.000 Euro unterstützt – die höchste Spende in der Parteigeschichte. Warum?
Ich möchte, dass die Grünen in Baden-Württemberg stärkste Partei werden und Winfried Kretschmann Ministerpräsident bleiben kann. Er ist vor fünf Jahren zufällig an die Macht gekommen, aber er hat nachgewiesen, wie gut eine von den Grünen geführte Regierung für das Land sein kann. Ich finde, dass er in der Flüchtlingsfrage mutig und nicht opportunistisch handelt. Er sagt ganz deutlich, dass wir alle aufnehmen müssen, die echte Flüchtlinge sind, aber auch, dass wir uns Wirtschaftsflüchtlinge im Moment nicht leisten können. Außerdem hat Kretschmann in den letzten Jahren gezeigt, dass nachhaltige ressourceneffiziente Wirtschaft ein Rendite- und Jobmotor ist. Mich hat zum Beispiel beeindruckt, dass er im letzten Dezember eine Klimaschutzinitiative mit dem kalifornischen Gouverneur Jerry Brown gestartet hat, der sich schon 120 Regionen weltweit angeschlossen haben. Das ist der Hammer.

Was erhoffen Sie sich von der Spende im Wahlkampfendspurt?
Mein Ziel ist, dass die politische Kraft an der Macht bleibt, die sich für den Kampf gegen den Klimawandel einsetzt. Winfried Kretschmann hat auf dem Radar, dass dafür eine konsequente Energie- und Verkehrswende notwendig ist. Ich fände es gut, wenn er seine Politik fortsetzen kann. Im Wahlkampf gab es bisher eine Verzerrung: Die Grünen haben in Baden-Württemberg 9000 Mitglieder und ein kleines Wahlkampfbudget, während die CDU 65000 Mitglieder hat und einen deutlich höheren Etat. Da wollte ich mit meiner Spende einen Ausgleich schaffen.

Der Vermögensverwalter Jochen Wermuth
Der Vermögensverwalter Jochen WermuthFoto: privat


Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten mit der Programmatik der Grünen?
Ich freue mich, dass die Grünen als erste Partei in Deutschland das Thema Divestment aufgegriffen haben…

... also den Ausstieg aus Investitionen in fossile Energien und die Umschichtung von Kapital in die Entwicklung alternativer Energieformen…
Da gibt es definitiv Überschneidungen. Als Vermögensverwalter versuche ich, die Brücke zu schlagen zwischen freier Marktwirtschaft und nachhaltigem Investieren. Bei den Grünen wissen inzwischen viele, dass man mit klimafreundlichen Investitionen eine Menge Geld verdienen kann. Wenn Deutschland ein starker Wirtschaftsstandort bleiben soll, dürfen wir diese Entwicklung nicht verschlafen. Im Moment exportiert Deutschland Verbrennungsmotoren und hat immer noch einen hohen Anteil an Kohlestrom, aber bei der Elektromobilität haben wir nur einen Weltmarktanteil von etwa vier Prozent. Da gibt es noch eine Menge aufzuholen.

Haben Sie vorher schon an Parteien gespendet?
Vor einem Jahr habe ich einige hundert Euro an die FDP gespendet. Aber mittlerweile bin nicht mehr davon überzeugt, dass die FDP verstanden hat, wie sinnvoll der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist, übrigens auch ökonomisch. Ansonsten unterstützen meine Frau und ich seit 1992 Greenpeace. Denen habe ich anfangs zu Studienzeiten fünf Euro gezahlt, später habe ich einen größeren Anteil meines Gehalts gespendet.

Haben Sie persönliche Kontakte zu Grünen-Politikern?
Außer einige Treffen bei öffentlichen Events, die ich früher besucht habe, hatte ich bislang keine persönlichen Beziehungen zu Grünen-Politikern. Herrn Kretschmann kannte ich bisher nur aus der Ferne, über Youtube oder Video. Persönlich habe ich ihn erst letztes Wochenende kennengelernt.

Das Gespräch führte Cordula Eubel.

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