Vor der Wahl des Bundespräsidenten : Linke und Gauck ganz „sachlich“

Joachim Gauck hat sich bei der Linkspartei vorgestellt. Die Linken-Kandidatin Beate Klarsfeld dagegen wird sich in keiner anderen Fraktion präsentieren.

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Dagmar Enkelmann und Gregor Gysi geben nach dem Gespräch mit dem Fast-Allparteien-Kandidaten Joachim Gauck eine Stellungnahme ab. In der Linken wird das Gespräch als sachlich beschrieben, Gauck sprach sogar von einer "freundlichen" Atmosphäre.
Dagmar Enkelmann und Gregor Gysi geben nach dem Gespräch mit dem Fast-Allparteien-Kandidaten Joachim Gauck eine Stellungnahme ab....Foto: dpa

Joachim Gauck, Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen für das Bundespräsidentenamt, hat sich am Dienstag bei der Linksfraktion des Bundestages vorgestellt. Das rund 45-minütige Gespräch mit ihm verlief nach Angaben der Linken "sehr sachlich", Gauck sprach sogar von einer "freundlichen" Atmosphäre. Anders als 2010, als Gauck als Gegenkandidat des damals von Union und FDP nominierten Christian Wulff intensiv um die Stimmen der Linken warb, kann sich der frühere DDR-Bürgerrechtler diesmal seiner Wahl sehr sicher sein. Dennoch war es für ihn nach eigenen Worten selbstverständlich, der Einladung der Linken Folge zu leisten.

Teilnehmern zufolge war Gauck bemüht, schon seiner künftigen Rolle zu entsprechen. Er machte klar, auch ein Bundespräsident für jene sein zu wollen, die ihn kritisieren. Ein rechtskonservativer Präsident werde er auf keinen Fall sein, erklärte Gauck demnach. Als Gemeinsamkeit mit der Linken betonte er auch, dass er keine Gleichsetzung von DDR und Nationalsozialismus sehe. Wie sein zurückgetretener Amtsvorgänger Wulff wolle er einen Schwerpunkt beim Thema Integration setzen. Mit Blick auf Meinungsverschiedenheiten in der Sozialpolitik versicherte Gauck, er sei nicht für eine uneingeschränkte Freiheit der Wirtschaft. Über Streitpunkte - es gibt sie etwa zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr - werde er auch als Präsident gern mit den Linken diskutieren.

Linksfraktionschef Gregor Gysi hatte vor einigen Tagen die anderen Bundestagsfraktionen zu einem Gespräch mit der von seiner Partei nominierten Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld eingeladen. Nacheinander sagte zuerst die Koalitionsfraktionen und dann auch die SPD ab. Lediglich die Grünen signalisierten Interesse an einem Gespräch mit Klarsfeld. Auch dieses wird es aber nicht geben - die Beteiligten konnten sich nicht auf einen Termin einigen.

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