Vor Iran-Spiel : Proteste gegen Ahmadinedschad

Das WM-Spiel des Irans gegen Portugal in Frankfurt ist von Protesten gegen den iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad begleitet worden.

Frankfurt/Main - Eine Stunde vor dem Anpfiff hatten sich am Samstag vor der Alten Oper nach Polizeischätzungen etwa 500 Menschen versammelt. Der Historiker Arno Lustiger und der Publizist Michel Friedman verlangten als Redner ein EU-weites Einreiseverbot für Ahmadinedschad nach dem Vorbild der Beschränkungen für den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Ähnliche Proteste hatte es beim ersten Iran-Spiel in Nürnberg gegeben.

Ahmadinedschad wolle als «zweiter Hitler» in die Geschichte eingehen und das Volk Israels in einen «atomaren Holocaust» stürzen, erklärte der Auschwitz-Überlebende Lustiger. «Die Bundesrepublik soll diesem notorischen Judenhasser die Rote Karte zeigen.»

Friedman kritisiert Visum-Vergabe

Friedman kritisierte die Anwesenheit des iranischen Vize- Präsidenten Mohammed Aliabadi bei den WM-Spielen des Irans. Der Politiker war bereits um 14 Uhr zum Besuch des Spiels in Frankfurt eingetroffen. Es gehe nicht an, dass er ein Visum erhalte und die deutschen Behörden sich die Hände in Unschuld wüschen, meinte Friedman. «Mit seiner Anwesenheit politisiert er die Fußballspiele.» Die hessische Landesregierung hatte zuvor Wert auf die Feststellung gelegt, dass Aliabadi weder auf ihre Einladung noch auf Einladung des Fußball-Weltverbandes Fifa komme.

Die Demonstranten am Opernplatz, die dem Aufruf meist jüdischer Organisationen gefolgt waren, zeigten israelische, US-amerikanische und iranische Flaggen aus der Zeit der Schahherrschaft. Auf Plakaten war zu lesen: «Israel darf nicht von der Landkarte verschwinden» oder «Iran finanziert Hamas». Ausdrücklich machten alle Redner klar, dass sich ihr Protest nicht gegen das iranische Volk oder den Sport richte.

Eine ursprünglich für Samstag angemeldete Kundgebung einer rechtsextremen Gruppierung für Ahmadinedschad fand nach einem Verbot durch die Stadt Frankfurt nicht statt. Rund 100 linke Gegendemonstranten waren am Vormittag zum Haus des NPD-Funktionärs Jörg Krebs gefahren und hatten dort ohne Zwischenfälle demonstriert. (tso/dpa)

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