• Vor Massenabschiebung in Sachsen-Anhalt: Flüchtling springt aus Fenster - schwer verletzt

Vor Massenabschiebung in Sachsen-Anhalt : Flüchtling springt aus Fenster - schwer verletzt

Vor seiner Abschiebung in Sachsen-Anhalt hat sich ein Flüchtling aus dem Kosovo aus dem Fenster gestürzt. Er erlitt schwere Knochenbrüche. Laut Flüchtlingsunterstützern handelte er "aus Verzweiflung".

Abgelehnte Asylbewerber steigen am Baden-Airport in Rheinmünster im Rahmen einer landesweiten Sammelabschiebung in ein Flugzeug.
Abgelehnte Asylbewerber steigen am Baden-Airport in Rheinmünster im Rahmen einer landesweiten Sammelabschiebung in ein Flugzeug.Foto: dpa

Kurz vor einer Massenabschiebung aus Sachsen-Anhalt hat sich ein Flüchtling aus dem Fenster gestürzt und schwer verletzt. In Halle sei ein Kosovare am Dienstag vor Verzweiflung aus dem Fenster gesprungen, als die Polizei in sein Zimmer eindrang, berichtete der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt am Mittwoch in Magdeburg. Der Mann sei mit schweren Knochenbrüchen ins Krankenhaus gekommen. Eine Sprecherin des Innenministeriums bestätigte den Vorfall, ohne jedoch Details zu nennen.
Es war die erste Massenabschiebung in Sachsen-Anhalt im neuen Jahr und die insgesamt siebte seit Juli 2015. Dabei wurden am Dienstag vom Flughafen Leipzig/Halle 32 abgelehnte Asylbewerber aus Bosnien und dem Kosovo in ihre Heimatländer zurückgebracht. An Bord der Chartermaschine saßen zudem fünf abgelehnte Asylbewerber aus Niedersachsen und einer aus Hamburg.
Bereits am Mittwoch setzte das Ministerium eine weitere Sammelabschiebung durch. Betroffen waren 97 Asylbewerber, die mittags vom gleichen Airport aus nach Albanien und Mazedonien geflogen wurden.

Die Tat in Halle zeige, wie groß die Verzweiflung der Menschen ist, die in angeblich sichere Herkunftsstaaten abgeschoben werden, sagte eine Sprecherin des Flüchtlingsrates. Dabei sei die Menschenrechtslage in den Balkan-Ländern desolat. Minderheiten würden systematisch ausgegrenzt und diskriminiert.
Die Praxis der unangekündigten Nacht- und Nebel-Abschiebungen verschärfe die Gefahr von Folgetraumatisierungen und Suizid-Versuchen, betonte der Flüchtlingsrat. Massenabschiebungen seien aktionistische Vorhaben auf Kosten der Menschenrechte und dienten nur dazu, Handlungsfähigkeit zu beweisen und dem „Druck von Rechts“ nachzugeben. (epd)

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