Vor Türkeibesuch der Kanzlerin : Erdogan attackiert Merkel wegen Ablehnung türkischer Gymnasien

Kurz vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in Ankara an diesem Montag gibt es Streit zwischen Deutschland und der Türkei. Der türkische Ministerpräsident kritisiert die Zurückweisung seiner Forderung nach türkischen Gymnasien.

von und Sebastian Bickerich
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Der türkische Ministerpräsident Erdogan -Foto: AFP

„Das hätte ich von Merkel nie erwartet“, sagte Erdogan während eines Besuches in Libyen vor mitreisenden türkischen Journalisten. Erdogan betonte, in der Türkei gebe es ja auch Schulen, in denen auf Deutsch unterrichtet werde. Zudem habe die deutsche Seite an die Türkei die Forderung nach einer türkisch-deutschen Universität herangetragen. Nun werde dafür ein großes Grundstück in Istanbul zur Verfügung gestellt. „Ist die Türkei ein Prügelknabe?“
 
Merkel und andere deutsche Politiker hatten Erdogans Vorschlag zur Einrichtung türkischer Gymnasien in der Bundesrepublik als nicht integrationsfördernd abgelehnt. „Wir sind beunruhigt“, sagte Erdogan dazu. „Das hätte ich von Merkel nie erwartet. Und das werde ich sie auch wissen lassen.“

Die türkische Seite wird bei der Kanzlerin auch eine möglichst rasche Aufhebung der Visumspflicht für Türken bei Reisen in die EU fordern. „Die Visumfrage ist für die Türkei eine Frage des Prinzips“, sagte ein hochrangiger türkischer Diplomat unserer Zeitung. Bei allen EU-Bewerberländern außer der Türkei sei die Visumspflicht kurz nach Beginn der Beitrittsverhandlungen aufgehoben worden. Das gleiche sei kürzlich bei einigen früheren jugoslawischen Teilrepubliken geschehen, obwohl die EU mit diesen nicht einmal über einen Beitritt verhandele.

Der Diplomat unterstrich, die Türkei sei bereit, die Voraussetzungen für den visumsfreien Reiseverkehr zu erfüllen. Dazu gehöre auch der Abschluss eines Abkommens über die Wiederaufnahme von Flüchtlingen, die über türkisches Gebiet nach Europa gelangt sind.

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