Politik : „Vorbestrafte dürfen nicht in Jugendarbeit“

Kardinal Lehmann bedauert Missbrauchsfälle

Claudia Keller

Berlin/Fulda - Offiziell wollte keiner der 70 katholischen Bischöfe auf der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda über sexuellen Missbrauch sprechen. Als Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, seine Mitbrüder am Montag fragte, ob man das Thema nicht doch auf die Tagungsordnung nehmen solle, meldete sich niemand. Hinter verschlossenen Türen kam das Thema am Donnerstagabend aber doch auf den Tisch. Zweieinhalb Stunden habe man diskutiert, sagte Kardinal Lehmann am Freitag, als die Tagung der Bischofskonferenz zu Ende ging.

„Wir wollen alles tun, um sexuellen Missbrauch aufzudecken“, sagte Lehmann, der aktuelle Fall im Bistum Regensburg habe „die Augen offen gemacht, dass man hart vorgehen muss“. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte 2004 einen Geistlichen als Priester eingesetzt, obwohl dieser 2000 wegen Missbrauchs zweier Jungen verurteilt worden war. Vor drei Wochen wurde der Priester verhaftet, weil er erneut Ministranten belästigt haben soll. Lehmann betonte, dass ein einschlägig vorbelasteter Priester „auf keinen Fall erneut im seelsorgerlichen Bereich eingesetzt werden dürfe“, da in der Seelsorge der Umgang mit Kindern nie ausgeschlossen sei. So steht es auch in den „Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche“, die die Bischofskonferenz vor fünf Jahren verabschiedet hat. Lehmann kündigte an, die Bischöfe würden die Leitlinien nächstes Frühjahr im Gespräch mit Fachleuten „überprüfen“. Die Vereinbarungen seien verbindlich, sagte Lehmann und räumte ein, „dass da oder dort anders hätte gehandelt werden müssen“. Sanktionen könne die Bischofskonferenz aber nicht verhängen, kirchenrechtlich sei die „hohe Autonomie der einzelnen Bischöfe“ festgeschrieben. Es sei allerdings „schädlich, wenn einer ständig aus der Rolle fällt“, fügte Lehmann an.

Die Bischöfe einigten sich in Fulda außerdem auf Richtlinien, wie die alte, tridentinische Messe in den Bistümern gefeiert werden soll. Der Papst hatte den alten Ritus aus dem 16. Jahrhundert im Juli wieder zugelassen. Diese Messe wird in lateinischer Sprache gehalten, der Priester steht dabei mit dem Rücken zur Gemeinde. Die alte Messe gelte aber lediglich als „zusätzliches Angebot“, die sonntägliche Hauptmesse müsse weiter nach der neuen Liturgie von 1970 gefeiert werden, sagte Lehmann. Zudem dürften nur solche Priester eine tridentinische Messe abhalten, die auch den neuen Ritus vorbehaltlos anerkennen. Laut Lehmann hätten bisher nur wenige Gemeinden den Wunsch geäußert, die alte Messe zu feiern. In Köln seien es fünf Gemeinden, in Mainz drei, in den ostdeutschen Bistümern gebe es keine einzige. Im Berliner Erzbistum feiert die Gemeinschaft Philipp Neri seit drei Jahren die alte Messe. Bislang habe sich keine weitere Gemeinde gemeldet, die den Ritus einführen will, bestätigte Kardinal Georg Sterzinsky.

Lehmann mahnte auch eine Rückkehr zu einem sachlichen Austausch in der Ökumene an. Die Belebung bewährter Kontakte, gerade auch zur evangelischen Kirche, habe Priorität. Man müsse unbeirrt an der Klärung der theologischen Grundfragen weiterarbeiten, die hinter den Kontroversen stehen. Claudia Keller

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