Politik : Vorbild Katsche

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ist Gerhard Schröder ein Libero, so wie nur Franz Beckenbauer in seinen besten Tagen? Der elegante Spielmacher, der auch die Tore schießt? SPD-Generalsekretär Franz Müntefering wählte Ende der Woche diesen kühnen Vergleich. Gleichsam beschwingt von den erstmals seit langem wieder positiven Umfragewerten seiner Partei, verriet Müntefering am Freitag auch gleich noch, dass er selbst sich den Spieler Katsche Schwarzenbeck zum Vorbild genommen habe: „Er war ein bisschen groß, er hat immer reingegrätscht“, beschrieb der Politiker den als „Rumpelfüßler“ gefürchteten Sportler. Ein bisschen Stolz schwang in der Beschreibung auch mit, denn: „Ohne Schwarzenbeck hätte Beckenbauer sein Spiel nicht machen können.“ Wenige Stunden zuvor hatte der Generalsekretär seine nordrhein-westfälischen Genossen gegen den Vorwurf verteidigt, sie seien im Wahlkampf nicht engagiert. Als er vor drei Jahren nach Berlin gekommen sei, so der Westfale, sei er gewarnt worden, Zustimmung drückten die Hauptstädter mit dem Satz aus: „Da kannste nich’ meckern.“ Die höchste Form von Begeisterung dokumentiere dagegen die Äußerung: „Da kannste echt nich’ meckern.“ So ähnlich sei es auch im Ruhrgebiet. Nur weil Schröder dort „nicht mit Hosianna-Rufen“ empfangen werde, dürfe man nicht auf Unzufriedenheit der SPD mit seiner Politik schließen. Übrigens: Auch Berlins SPD-Chef Peter Strieder bekannte während der Fußballweltmeisterschaft im Juni: „Ich bin ein Typ wie Katsche Schwarzenbeck.“ Irgendetwas zutiefst Sozialdemokratisches scheint diese Sportler-Figur auszustrahlen. Politologen, Sportsoziologen und Psychologen, erklärt es uns! Aber erst nach der Wahl. Hans Monath

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