Politik : Vorschuss

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Erst das Geld, dann die Ware. 80 000 Mark hat PR-Berater Moritz Hunzinger seinem Kunden Rudolf Scharping auf dessen Konto bei der Bank Sal. Oppenheim überwiesen. Das Geld bekam der Ex-Verteidigungsminister für die „erteilte Lizenz des Autors im Zusammenhang mit der Veröffentlichung seiner späteren Erinnerungen“. Als einen „üblichen Vorschuss“ hat Hunzinger diese Zahlung gerechtfertigt. In der Tat sind Honorare im Voraus in der Branche üblich. Selbst dann, wenn noch keine Zeile vorliegt. Zum einen geht es den Verlagen darum, Erfolg versprechende Autoren an sich zu binden. Zum anderen will man den Schreibern einen gewissen finanziellen Freiraum bieten. Sie sollen sich ja möglichst eine Zeit lang ausschließlich um ihr Buch kümmern. In der Regel wird zwischen dem Schreiber und dem Verlag eine Garantiesumme ausgemacht. Wann die ausgezahlt wird, ist unterschiedlich. Verbreitet ist aber eine Dreiteilung: ein Drittel des Geldes bei Vertragsabschluss, ein Drittel, wenn das Manuskript vorliegt, und der Rest bei Erscheinen des Buches. Der 80 000-Mark-Vorschuss, den Scharping erhielt, gilt in der Branche als nicht besonders hoch. Bücher von prominenten Politikern gelten auf dem Sachbuchmarkt durchaus als mögliche Verkaufsschlager. Große n wie Oskar Lafontaine und Joschka Fischer verheißen großes Geschäft. Auch Scharping hat Bücher geschrieben, über den Kosovo-Krieg, die Tour de France und eines zum Wahlkampf 1994. Letzteres war aber eines nicht: ein Bestseller. Christian Böhme

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