Politik : Vorsicht, Crocorax

Albert Funk

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Er rudert unter Wasser mit den Füßen, steuert mit Flügeln und Schwanz und taucht nach tierischer Nahrung. Genau: Es geht um den Kormoran. Auch Seerabe genannt. Oder lateinisch Phalacrocorax carbo. Der Vogel ist, wie der Name klingt: Unaussprechlich garstig. Auch wenn ihm das Lexikon zubilligt, gesellig in Bäumen zu brüten. Angler und Fischer aber kennen ihren Crocorax: als Räuber ihrer Fischbestände nämlich. Fliegt gesellig daher, taucht ab, und weg sind Karpfen, Äsche, Forelle, Aal. In wenigen Tagen kann der Kormoran so einen Fischteich fast leer fressen. Neben den Billigimporten ist er eines der größten Ärgernisse der Binnenfischerei. Josef Miller, Landwirtschaftsminister in München, muss das Jahr für Jahr ansprechen in seinen Reden zur Eröffnung der bayerischen Karpfensaison.

Den Kormoran stört das wenig. Denn der Kormoran hat mächtige Verbündete. Sie sitzen in Brüssel und haben ihn per EU-Richtlinie geschützt. Er darf deshalb nur ausnahmsweise geschossen werden. Man kann sich vorstellen, wie er da gesellig in seinen Bäumen sitzt und sich eins lacht.

Bald lacht er nicht mehr. Denn seine Gegner machen mobil. Und der Kormoran weiß noch nicht, dass von diesem Freitag an sein Schlaraffenstatus in deutschen Landen beendet werden soll. Per Drucksache 716/03 im Bundesrat nämlich. Bayern nimmt den Kampf auf und bringt eine Entschließung zur „Kormoranproblematik“ ein. Das Ziel: weniger Kormorane. Zumal der Vogel sich nicht um andere EU-Verordnungen schert und auch geschützte Fischarten verspeist. Unser Tipp an den Kormoran: Abtauchen. Oder mal gesellig mit den Grünen reden.

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