Politik : Vorsichtige Freunde

Deutsche und Franzosen sind sich ihrer besonderen Beziehung bewusst. Aber diesseits des Rheins fehlt das Vertrauen

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Berlin. Die Deutschen betrachten die Franzosen als Freunde, aber sie vertrauen ihnen nicht allzu sehr. Franzosen haben dagegen ein größeres Vertrauen zu den Deutschen, aber die Vokabel „Freundschaft“ kommt ihnen nicht so leicht über die Lippen. Das ist, etwas zugespitzt, eines der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Deutschen und Franzosen, die das Meinungsforschungsinstitut Ipsos zu Beginn des Jahres im Auftrag des deutschfranzösischen Kulturkanals „arte“, der französischen Zeitung „Le Figaro“ und des Tagesspiegels durchgeführt hat. Zum Jubiläum des deutsch-französischen Elysée-Vertrages, das am Mittwoch und Donnerstag in Paris und Berlin gefeiert wird, darf sich das deutsch-französische Paar durch die Umfrage aber in einem Punkt deutlich bestätigt fühlen: Das Verhältnis zwischen beiden Ländern gilt bei Deutschen und Franzosen nach wie vor innerhalb der EU als herausragend – und zwar mit Abstand.

Unter den 959 Franzosen und den 941 Deutschen, die sich an der Umfrage beteiligten, gab jeweils eine deutliche Mehrheit auf die Frage nach dem wichtigsten Partner in Europa ein Votum für das Nachbarland ab: 57 Prozent der Franzosen betrachten Deutschland als Partner mit privilegiertem Status, in Deutschland sind es 58 Prozent. An zweiter Stelle, bei acht Prozent der Franzosen und bei sechs Prozent der Deutschen, wird jeweils Großbritannien genannt.

Deutliche Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen tun sich aber auf, wenn nach den Begriffen gefragt wird, die das Verhältnis zwischen beiden Ländern prägen. „Freundschaft“ wird von 48 Prozent der Deutschen genannt, aber nur von 34 Prozent der Franzosen. Dagegen herrscht bei den Franzosen größeres Zutrauen in den Partner als umgekehrt: 35 Prozent der Franzosen nennen das Schlüsselwort „Vertrauen“, aber nur 22 Prozent der Deutschen. Als Partnerschaft empfinden 57 Prozent der Franzosen und 52 Prozent der Deutschen die Beziehung, während nur jeweils sieben Prozent der Befragten angeben, das Verhältnis sei von Rivalität geprägt.

„Krieg und Frieden“ – unter diesem Aspekt betrachten die Deutschen das Verhältnis zu Frankreich offenbar immer noch sehr stark. Dagegen wird die Beziehung zwischen beiden Ländern in Frankreich eher unter dem Gesichtspunkt eines innereuropäischen Interessenausgleiches gesehen. Auf die Frage, welchem Ziel gute deutsch-französische Beziehungen eigentlich dienen sollen, antworten 45 Prozent der Deutschen, dass die Achse Berlin-Paris vor allem der Friedenssicherung in Europa und der Verhinderung von Konflikten nütze. Diese Antwort geben in Frankreich nur 22 Prozent. Hier sehen 37 Prozent der Befragten die deutsch-französische Freundschaft vor allem als ein Instrument, um das Gleichgewicht zwischen den nördlichen und den südlichen EU-Mitgliedern zu wahren. In Deutschland sehen dies nur 21 Prozent der Befragten so.

Augenfällig ist auch, dass es den Deutschen leichter als den Franzosen fällt, eine engere Verflechtung mit dem Nachbarland zu akzeptieren. 49 Prozent der Deutschen hätten keinerlei Problem damit, eines Tages einen Franzosen in das Amt eines EU-Präsidenten zu wählen. In Frankreich sticht dagegen schon eher die nationale Karte: Hier wären nur 45 Prozent zur Wahl eines Deutschen in das europäische Spitzenamt bereit. Ähnlich sind die Franzosen auch zurückhaltender, was das Erlernen der Sprache aus dem Nachbarland anbelangt: Während 16 Prozent der Deutschen glauben, dass mehr Französischunterricht im eigenen Land die Beziehungen zwischen beiden Ländern verbessern könnte, halten nur acht Prozent der Franzosen einen verstärkten Deutschunterricht für ein probates Mittel.ame

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