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Vorstoß für gesetzliche Neuregelung : FDP-Integrationspolitiker will Beschneidung erlauben

30.06.2012 14:49 Uhr
Serkan TörenBild vergrößern
Serkan Tören - Foto: dapd

Körperverletzung oder Ausdruck religiöser Freiheit? Serkan Tören, integrationspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, will Beschneidung per Gesetz erlauben. Er sagt, sonst könne sich das Land jede weitere Integrationspolitik sparen.

Der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, strebt mit Blick auf das Beschneidungsurteil des Kölner Landgerichts eine gesetzliche Neuregelung an. „Ich setze mich in der FDP-Bundestagsfraktion für ein Gesetz ein, das klarstellt, dass die weltweit etablierte Praxis der Beschneidung auch in Deutschland legal ist“, sagte Tören der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagausgabe). Die Ungewissheit, vor der nun Tausende muslimische und jüdische Familien stünden, sei nicht hinzunehmen.

„Sollte die Beschneidung aus religiösen Gründen in Deutschland verboten sein, kann sich das Land jede weitere Integrationspolitik sparen“, kritisierte Tören, der selbst Muslim ist.

„Ein Verbot der Beschneidung wäre das deutlichste Signal an die Muslime in unserem Land, dass sie kein Teil Deutschlands, ja nicht einmal willkommen sind.“ Das Kölner Landgericht hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Urteil entschieden, dass religiöse Beschneidungen von Jungen als Körperverletzung zu werten sind.

In einer am Samstag veröffentlichten Emnid-Umfrage für das Magazin „Focus“ stellten sich 56 Prozent der Befragten hinter das umstrittene Urteil. 35 Prozent hielten die Entscheidung für nicht richtig, zehn Prozent hatten dazu keine Meinung. Befragt wurden 1000 Menschen.

Unterdessen hat der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge das Kölner Beschneidungs-Urteil als „kulturelles Armutszeugnis“ kritisiert. „Es ist eine Missachtung kultureller Identität und Tradition und sowohl medizinisch als auch religiös und juristisch abwegig“, sagte Dröge am Samstag. Er glaube nicht, dass das Urteil juristisch auf Dauer haltbar sein werde, denn das Recht der Eltern, religiöse Identität weiter zugeben, müsse ganz anders gewertet werden, sagte der Bischof weiter. Das Landgericht Köln hatte am Dienstag die Beschneidung eines minderjährigen Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung bewertet.

Dröge, der sich derzeit zu einem Besuch von Partnerkirchen in den USA aufhält, erinnerte daran, dass es in Amerika in den 50er und 60er Jahren normal gewesen sei, jeden neugeborenen Jungen aus medizinischen und hygienischen Gründen zu beschneiden. Das werde auch in den USA heute differenzierter gesehen, „aber auf die Idee, das als schädlich anzusehen, kommt hier sicherlich niemand“. (dapd, epd)

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