Vorwahlen in den USA : Für Donald Trump wird es spannend

Am Dienstag finden in fünf Bundesstaaten die Vorwahlen zu den US-Präsidentschaftswahlen statt. Überschattet wird der Mini-Super-Tuesday von der Debatte über gewalttätige Rangeleien bei Donald Trumps Auftritten.

von
Kundgebung mit Flugzeug: Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat spricht in Vienna, Ohio, zu seinen Anhängern.
Kundgebung mit Flugzeug: Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat spricht in Vienna, Ohio, zu seinen Anhängern.Foto: AFP

Überschattet von Debatten um gewalttätige Rangeleien bei Wahlkampfauftritten des führenden republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gehen die USA in einen weiteren wichtigen Vorwahltag mit Abstimmungen in fünf bedeutenden Staaten: Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio. Wegen dieser Ballung gilt dieser Dienstag im politischen Kalender der USA als „Mini Super Tuesday“ – und als Vorentscheidung bei der Kandidatenkür in beiden Lagern.

In den USA wird diskutiert, ob Trump durch seine Rhetorik die Gewaltausbrüche mit verursacht hat. Er selbst behauptet, seine Auftritte verliefen ganz überwiegend ohne Zwischenfälle. Die öffentliche Meinung ist geteilt. Viele erheben den Vorwurf, schuld seien die Störer; sie verletzen das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Bei den Demokraten wird Hillary Clinton ihren Vorsprung vor Bernie Sanders wohl deutlich ausbauen. Hingegen wird sich Donald Trump bei den Republikanern nach den letzten Umfragen noch ein wenig gedulden müssen, ehe die Entscheidung fällt. Spannend ist das Rennen bei den Konservativen, weil die Ergebnisse Hinweise liefern, welche Variante wahrscheinlicher wird: Gelingt Trump der Durchmarsch zur Kandidatur oder scheitert er an der Aufgabe, sich vor Beginn des Nominierungsparteitags im Juli die absolute Mehrheit der Delegierten zu sichern?

Bei den Republikanern kämpft Trump gegen zwei Kandidaten mit Heimvorteil

Der besondere Reiz bei den Republikanern rührt daher, dass sich an diesem 15. März die Regeln für die Umrechnung der Wahlergebnisse in Delegiertenstimmen ändern und sich veritable Duelle zwischen Trump und zwei Kandidaten mit Heimvorteil entwickeln: in Ohio Trump gegen John Kasich, den Gouverneur des Staats; in Florida Trump gegen Marco Rubio, den Senator von dort.

Von diesem Dienstag an überlässt die Republikanische Partei den Staaten die Auswahl, ob sie die „Winner takes all“-Regel anwenden; in dem Fall bekommt der Sieger alle Delegierten dieses Staats – auch dann, wenn er nur mit knapper relativer Mehrheit vorn liegt. Dafür haben sich Florida und Ohio entschieden. Kein Staat ist jedoch verpflichtet, nach „Winner takes all“ auszuzählen. Die Staaten dürfen auch weiter proportional zum Abschneiden in den einzelnen Wahlkreisen Delegierte zuteilen. Diese Variante haben Illinois, Missouri und North Carolina gewählt.

Bei den Republikanern werden 358 Delegiert vergeben. Trump hat nach Vorwahlen in exakt der Hälfte der 50 Bundesstaaten 460 Delegierte sicher – deutlich weniger als die Hälfte der 1237 Delegierten, die für die Nominierung verlangt werden. Er braucht den „Turbo“ der „Winner takes all“-Regel, um schneller Delegierte zu sammeln. Bei einer Delegiertenzuteilung proportional zum Vorwahlergebnis kann er sich kaum Hoffnung machen. Allerdings auch nicht, wenn andere Kandidaten als er in „Winner takes all“-Staaten siegen.

Sollte kein Kandidat die absolute Mehrzahl der Delegierten vor dem Parteitag erreichen, gäbe es zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte der USA eine „Brokered Convention“. Wenn kein Bewerber in der ersten Abstimmung die 1237 Delegiertenstimmen erreicht, werden die Staaten in weiteren Abstimmungen ihre Delegierten nach und nach von der Bindung an einen Kandidaten befreien. Und dann ist es dem Verhandlungsgeschick der Parteiführung sowie einzelner Bewerber überlassen, wer am Ende nominiert wird, womöglich ein Kandidat, der in den Vorwahlen gar nicht angetreten war.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben