Politik : Vorwürfe auch gegen Aufständische

von

Kairo - Gaddafis Truppen kennen keine Gnade. Doch auch die Aufständischen haben kürzlich in vier Ortschaften der Nafusa-Berge südlich von Tripolis schwer gewütet. Diesen Vorwurf erhebt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), untermauert von Zeugenaussagen und Fotos, die angezündete Wohnhäuser, geplünderte Läden und verwüstete Krankenhäuser zeigen. „Die Vorgesetzten der Rebellen haben die Pflicht, Zivilisten und ihr Eigentum zu schützen, insbesondere Hospitäler. Sie haben die Pflicht, jeden zur Verantwortung zu ziehen, der geplündert hat oder sich andere Übergriffe hat zuschulden kommen lassen“, heißt es in der HRW-Dokumentation. Ein lokaler Kommandant der Aufständischen gab die Untaten zu, erklärte aber, sie seien ein Verstoß gegen ausdrückliche Befehle gewesen.

Auch die Führung in Bengasi bestritt, dass es eine systematische Politik der verbrannten Erde gegen Regionen gebe, die loyal zu Gaddafi hielten. „Wir sind gegen jegliche Menschenrechtsverletzungen“, erklärte der Premierminister der Provisorischen Regierung, Mahmud Jibril. „Alle, die dafür verantwortlich sind, werden vor Gericht gestellt.“ Nach Angaben von HRW gerieten die Bewohner der vier Städtchen Al Awaniya, Rayayinah, Zawiyat al Bagul und Al Qawalish im April und Mai zwischen die Fronten. Zunächst beschossen Einheiten Gaddafis die zivilen Wohngebiete wahllos mit Raketen und legten mindestens drei Minenfelder mit Sprengsätzen gegen Fahrzeuge und Personen. Die Häuser von vermuteten Anhängern der Aufständischen wurden niedergebrannt und ihre Geschäfte ausgeraubt. Als dann die siegreichen Rebellen einrückten, drehten sie den Spieß um. Sie knöpften sich vor allem die Bewohner von al Awaniya und Zawiyat al Bagul vor, die dem Gaddafi-treuen Mesheshiya-Stamm angehören. Sämtliche Häuser und Geschäfte entlang der Hauptstraße wurden geplündert und verwüstet. In Al Qawalish zündeten die Rebellen 14 Wohnhäuser und ein Geschäft an, in allen Orten stahlen sie wertvolle Geräte aus den örtlichen Polikliniken. Martin Gehlen

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar