Vorwürfe : Berlusconi soll Flugbereitschaft für Partys missbraucht haben

Italiens Regierungschef hat über das Pfingstwochenende zwar hunderte pikanter Fotos beschlagnahmen lassen, die Affäre um private Partys des Premiers auf Sardinien ist damit jedoch keineswegs beendet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen eines möglichen Missbrauchs der Präsidentenmaschine.

Dominik Straub

Rom„Jetzt ist der Tiefpunkt erreicht“, erklärte Silvio Berlusconi am Sonntag. Sauer aufgestoßen waren dem Premier die Fotos, die ein Paparazzo im vergangenen Sommer und über die Neujahrstage 2008/09 geschossen hatte. Auf den Bildern waren in der sardischen Villa Berlusconis laut Berichten des „Corriere della Sera“ zahlreiche junge Damen zu erkennen, die sich im Bikini – mit und ohne Oberteil – im Garten räkelten. 300 von angeblich insgesamt rund 700 Bildern hat die Staatsanwaltschaft nach einer persönlichen Intervention des Ministerpräsidenten am Samstag beschlagnahmt – weil eine Veröffentlichung die Privatsphäre des Regierungschefs verletzen könnte.

Dass der Tiefpunkt nun erreicht sei, findet auch die Opposition. Auf einem der konfiszierten Bilder ist nämlich auch Berlusconis Hofbarde Mariano Apicella zu erkennen, wie er in Olbia aus einem Staatsflugzeug steigt. Seit dem Wahlsieg Berlusconis hätten sich die Einsätze der Flugbereitschaft fast verdreifacht, betont die Opposition. Ex-Ministerpräsident Romano Prodi hatte dem Missbrauch einen Riegel geschoben; die Regeln wurden von Berlusconi aber wieder aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft in Rom hat nun Ermittlungen eingeleitet. „Sollte der Verdacht bestätigt werden, muss sich Berlusconi jetzt nicht nur wegen seines unmoralischen Verhaltens, sondern auch wegen des Geldes der Steuerzahler verantworten, das er für Privatzwecke verschwendet hat“, fordert der Chef der Partei „Italien der Werte“, Ex-Staatsanwalt Antonio Di Pietro. Die Vize-Fraktionschefin der Opposition, Marina Sereni, verlangt, Berlusconi solle über Flugbewegungen im Parlament Rechenschaft ablegen. Dominik Straub

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