Politik : Vorwürfe gegen deutsche Botschaft in Damaskus

Scharfe Kritik von freiwilligen Helfern wegen schlechter Betreuung der geflohenen Bundesbürger

Dagny Lüdemann

Berlin - Deutsche Studenten in Syrien, die bei der Betreuung evakuierter Flüchtlinge aus dem Libanon eingesetzt waren, haben schwere Vorwürfe gegen die deutsche Botschaft in Damaskus erhoben. Die Vertretung hatte sich bis Freitagmittag um die deutschen Flüchtlinge zu kümmern, bevor diese zum Flughafen gebracht und nach Deutschland ausgeflogen werden konnten.

In den Duschräumen des zur Notunterkunft umfunktionierten Studentenwohnheims „sah und roch man Fäkalien“ und es herrschte eine „massive Kakerlakenplage“, berichteten Lea Neubert, Stefan Petke und Till Grallert, die von der deutschen Vertretung als freiwillige Helfer akquiriert worden waren, dem Tagesspiegel. Angetroffen hätten sie in der Unterkunft auch „keinen Einsatzstab der deutschen Botschaft, sondern nur eine Sekretärin, die als einzige Angehörige der Botschaft mit der Aufgabe betraut war, die erwarteten tausend Flüchtlinge zu betreuen.“ Die Frau sei mit dieser Aufgabe völlig überfordert gewesen, berichten die Studenten.

Gegen Mittag sei „endlich auch ein Ärzteteam aus Deutschland angekommen“ und später sei dann der deutsche Botschafter „für fünf Minuten aufgetaucht“. „Als wir um 12 Uhr 30 total erschöpft das Gebäude verließen, waren schon zwei Busse mit Schwangeren, Alten und Kranken zum Flughafen gebracht worden – und die Lage schien sich weiter zu entspannen.“

Die drei Berliner Studenten hätten, nachdem sie in der Sammelunterkunft eingetroffen waren, die Order erhalten, „alle Flüchtlinge mit Passnummer und Wohnort in Deutschland zu registrieren und mit einem Plastikarmbändchen zu kennzeichnen“, berichtete Petke. Das habe zu hysterischen Tumulten geführt, da viele Angst gehabt hätten, ohne Band nicht ausgeflogen zu werden. Sein Kommilitone Grallert erzählte am Telefon, dass er beim Hilfseinsatz eine Deutsch-Libanesin aus Berlin getroffen habe, die ihre beiden neun- und elfjährigen Kinder während der Busfahrt von der libanesischen Hauptstadt Beirut nach Damaskus aus den Augen verloren habe. Die Frau habe dann ohne ihre Kinder ausfliegen müssen.

„Die Zustände waren katastrophal“, bestätigte der Berliner Frank Masche, der mit Frau und Kind in dem syrischen Studentenheim unterkam, bevor die Familie dann am frühen Freitagmorgen nach Köln ausgeflogen wurde.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Freitagnachmittag, die Lage sei „ausgesprochen schwierig“. Obwohl die Botschaft vor Ort schon zweimal mit Botschaftsmitarbeitern verstärkt worden sei, seien „die Kapazitäten in Bezug auf die enorme Dimension der Aufgabe begrenzt“. Die Notunterkünfte hätten in kürzester Zeit organisiert werden müssen, weil man die Flüchtlinge schnellstmöglich von der Straße holen und bis zur Ausreise sicher unterbringen wollte.

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