Politik : Vorwürfe gegen Thierse: Rechte nicht salonfähig gemacht

Ralf Hübner/Claudia von Salzen

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe in einem Interview Rechtsextremisten salonfähig gemacht. Thierse sprach von einer absurden Kampagne. "Ich wünsche mir keine heutigen Neonazis in zehn Jahren auf Ministersesseln", sagte der Bundestagspräsident am Dienstag bei der Vorstellung der Initiative "Rock gegen rechte Gewalt" in Berlin.

Es sei jedoch eine "demokratische Grundüberzeugung, dass wir junge Menschen nicht dauerhaft im Gefängnis ihrer Vergangenheit festhalten können". Man müsse Menschen auch zubilligen, dass sie sich ändern können, sagte Thierse. Er rief dazu auf, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um rechtsradikale Jugendliche für die Demokratie zurückzugewinnen.

Zugleich begrüßte Thierse die Initiative "Rock gegen rechte Gewalt", die von Udo Lindenberg und anderen prominenten Künstlern ins Leben gerufen wurde. Der Kampf gegen Rechtsextremismus sei nicht nur "Sache von Spezialisten", sagte Thierse. Populäre Künstler könnten junge Leute vielleicht besser als Politiker erreichen. Die Initiative sei eine "Chance, die wir nutzen sollten", betonte der Parlamentspräsident weiter. Aufgabe der Politik sei es, solche Aktionen finanziell und organisatorisch zu unterstützen.

Mit vier großen Konzerten in verschiedenen deutschen Städten wollen die Künstler ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit setzen. Die Musiker verzichten auf ihre Gage, um damit Initiativen zu unterstützen, die sich gegen rechte Gewalt einsetzen, darunter das Aussteigerprogramm Exit und die Amadeu Antonio-Stiftung. Außerdem sollen Opfer rechter Gewalt und Vor-Ort-Initiativen besucht werden. Der Angolaner Amadeu Antonio war nach der Wende das erste Todesopfer rechter Gewalt in den neuen Bundesländern.

Im Rahmenprogramm der Tournee sollen zudem regionale Initiativen vorgestellt werden. "Wir wollen in spätestens einem Jahr ein buntes Deutschland sehen, frei von jeglicher rechter Gewalt", so Udo Lindenberg in dem von namhaften Künstlern unterzeichneten Aufruf zu der Aktion.

Lindenberg verwies darauf, dass er sich ein Vorgehen gegen Neonazis "mit aller Härte und eine deutlichere Sprache von einigen Politikern" wünsche. "Rock gegen Rechts" solle auch Ausstiegsmöglichkeiten für Neonazis aufzeigen. Mit der Konzertreihe sollten die jungen Leute sensibilisiert werden. Es sei der Versuch, die Kids auf andere Art als mit "Sonntagsreden" anzusprechen.

Die Konzerte in Dresden, Hamburg, Rostock und Berlin werden unter anderem Udo Lindenberg, Söhne Mannheims, Nena, Knorkator und Peter Maffay bestreiten. Die Veranstaltungen werden von Comedy-Star Ingo Appelt moderiert.

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