Vorwurf : Berlusconi nimmt Privatleute auf Staatskosten mit

Italiens Regierungschef beschäftigt mal wieder die italienische Staatsanwaltschaft. Diesmal mit Privatflügen auf Kosten des Steuerzahlers.

Auf der Suche nach Beweisen für Silvio Berlusconis Kontakt zu der inzwischen achtzehnjährigen Noemi waren auch Schnappschüsse aufgetaucht, die den 72-Jährigen zeigen, als er Privatleute und Bekannte mit einer Militärmaschine zu seiner Luxusvilla auf Sardinien fliegen ließ. Auf einem in Olbia aufgenommenen Foto eines sardischen Paparazzo ist zu sehen, wie Berlusconi zusammen mit seinem Lieblingssänger Mariano Apicella und einer Tänzerin ein Staatsflugzeug verlässt.

Vorermittlungen sollen klären, ob der Präsident sein Amt missbraucht hat - ein übliches Verfahren, eingeleitet auf Drängen der Verbraucherschutzorganisation Codacons. Am Vorabend hatte Berlusconi es als praktisch bezeichnet, auch private Gäste auf einen auch ohne sie geplanten Flug in einer Staatsmaschine mitzunehmen. Das koste den Steuerzahler doch nichts. "Lächerlich" findet Silvio Berlusconi die Vorwürfe. Der Fall bezeuge, wie kleinlich die Opposition sei.

Im Zusammenhang mit der Affäre um die Schülerin Noemi hatte Berlusconi die Veröffentlichung Hunderter Fotos verhindern können. Die römische Staatsanwaltschaft ordnete an, rund 600 auf Sardinien gemachte Aufnahmen zu beschlagnahmen. Es bestehe der Verdacht, dass eine Veröffentlichung die Privatsphäre verletze.

Unter den Schnappschüssen sollen Fotos einer von dem 72-jährigen Milliardär und Medienzar veranstalteten Silvesterparty sein, zu der auch die damals noch 17-jährige Noemi Letizia aus Neapel eingeladen war. Laut Berlusconi hatte der Fotograf aus Olbia die Fotos "illegal" von einer Terrasse außerhalb der Luxusvilla des Ministerpräsidenten geschossen, berichtete die Mailänder Zeitung Corriere della Sera. Nur wenige Tage vor den Europawahlen pochte Berlusconi im Wahlkampf auf einen Schutz seiner Privatsphäre und verlangte ein Ende des Medienrummels. Sein Privatleben werde "für politische Ziele ausgeschlachtet, der Tiefpunkt ist jetzt erreicht". ZEIT ONLINE, sp, dpa

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