Politik : VW ist zu teuer – Arbeiter sollen sparen

Personalchef Hartz will Lohnkosten bis 2011 um 30 Prozent drücken / Gewerkschaften: Eine Zumutung

Alfons Frese[Wolfsburg]

Die gut 100 000 VW-Beschäftigten in Westdeutschland sollen ab 2011 auf rund zwei Milliarden Euro verzichten und dadurch Europas größten Autohersteller wettbewerbsfähiger machen. Wie VW-Personalvorstand Peter Hartz am Montag in Wolfsburg sagte, lägen die Personalkosten der übrigen deutschen Autohersteller um elf Prozent unter dem Niveau von Volkswagen. Die VW-Produktion im sächsischen Mosel sei sogar um 20 Prozent günstiger als in Wolfsburg. Deshalb gebe es im Westen „null Spielraum für Einkommenserhöhungen“, sagte Hartz. Die IG Metall hatte in der vergangenen Woche eine Erhöhung um vier Prozent gefordert. Der Verhandlungsführer der IG Metall, Hartmut Meine, sagte in einer ersten Reaktion auf die Pläne von Hartz, „solange das Unternehmen den Aktionären eine Dividende zahlt, ist nicht einzusehen, dass die Beschäftigten mit einer Nullrunde abgespeist werden sollen“. Vor allem die Forderung nach einer stärkeren ertragsabhängigen Bezahlung sei „eine Zumutung“, sagte Meine. Hartz will 30 Prozent des Jahreseinkommens an der Höhe des VW-Gewinns ausrichten. Am 15. September beginnen die Verhandlungen.

Das Sparprogramm von Hartz umfasst sieben Punkte, mit denen die Arbeitskosten bis 2011 um 30 Prozent gedrückt werden könnten. Gegenwärtig kosten die gut 100 000 VW-Mitarbeiter in Wolfsburg, Emden, Hannover, Salzgitter, Braunschweig und Kassel 6,8 Milliarden Euro im Jahr. Spätestens 2011 sollen das gut zwei Milliarden Euro weniger sein. Dazu sollen neue Entgeltstrukturen eingeführt werden; wer künftig bei VW eingestellt wird, würde weniger verdienen. Hartz will Überstundenzuschläge sparen, Arbeitszeitkonten ausweiten, die Beschäftigten an den Kosten des Krankenstands beteiligen und schließlich mit längerer Arbeitszeit weitere Investitionen in Deutschland ermöglichen. Aktuell geht es dabei um die Produktion des geplanten kleinen Geländewagens, für den sich auch das Stammwerk bewirbt. Hartz zufolge ist die Herstellung in Wolfsburg aber um 1400 Euro je Fahrzeug teurer als in Osteuropa. Wenn diese Differenz nicht ausgeglichen werde, gehe die Produktion des Autos ins Ausland.

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