Politik : Wachsende Spannungen in Serbien: Nun droht das Militär den Demonstranten

KRAGUJEVAC/BELGRAD (AFP/AP). Der jugoslawische Generalstabschef Ojdanic hat sich am Sonntag ausdrücklich hinter Präsident Milosevic gestellt und Rücktrittsforderungen der Opposition zurückgewiesen. Wer versuche, Milosevic zu stürzen, besitze nicht die Unterstützung des Volkes, erklärte der General in der Regierungszeitung "Politika" mit Blick auf die Massenproteste der Opposition. Zuvor war der frühere Verbündete des Präsidenten, Vuk Draskovic, auf einen verschärften Konfrontationskurs eingeschwenkt und hatte bei einer öffentlichen Kundgebung den Rücktritt von Milosevic gefordert.Bei der Demonstration in der mittelserbischen Stadt Kragujevac handelte es sich um den erste Anti-Milosevic-Protest, der von dem Oppositionspolitiker Vuk Draskovic organisiert wurde. Die Demonstranten zeigten am Samstag abend Transparente mit Aufschriften wie "Slobo raus" und "Nie wieder Krieg". "Alle politischen, moralischen und ethischen Gründe sprechen für den Rücktritt von Jugoslawiens Nummer eins", sagte Draskovic. Draskovic rief alle serbischen Parteien zur Zusammenarbeit für die "nationale Erlösung" auf. An einem Programm zur "nationalen und staatlichen Rettung" sollten nicht nur die Opposition, sondern auch die regierenden Sozialisten, Kommunisten und extrem-nationalistischen Radikalen mitwirken, sagte Draskovic.Frühere Aktionen wurden von der Dachorganisation "Allianz für den Wechsel" organisiert, die Draskovic bislang erfolglos zum Zusammenschluß aufgefordert hat. Draskovic und seine Erneuerungsbewegung wechselten mehrfach die Seiten zwischen Opposition und Regierung. Draskovic wurde Anfang des Jahres zum stellvertretenden jugoslawischen Ministerpräsidenten berufen, später aber wegen Kritik an der Regierung während des Kosovo-Kriegs entlassen.Nach einem britischen Zeitungsbericht ist Milosevic mit seinem Einlenken im Kosovo-Krieg einer Invasion von Nato-Truppen zuvorgekommen. Die Londoner Zeitung "The Observer" berichtete am Sonntag, die USA und Großbritannien hätten sich schon am 31. Mai darauf geeinigt, die jugoslawische Armee im Kosovo mit Bodentruppen anzugreifen. Der britische General Sir Charles Guthrie gab in einem Gespräch mit der Zeitung allerdings zu, daß es noch sehr schwer geworden wäre, dafür die Unterstützung der anderen Nato-Partner zu gewinnen.Die Streitmacht sollte dem Bericht zufolge 170 000 Soldaten umfassen. Das größte Kontingent von 50 000 Soldaten wollte Großbritannien stellen. Die Operation sollte Anfang September beginnen und nach sechs Wochen beendet sein. Präsident Milosevic wußte nach Angaben des "Observer", daß die USA die Entsendung von Bodentruppen vorbereiteten. Es habe "zwei oder drei Zwischenfälle" gegeben, die gezeigt hätten, daß Milosevic amerikanisches Geheimdienstmaterial zugespielt wurde, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eine Nato-Quelle. Dies erkläre das plötzliche Einlenken des jugoslawischen Präsidenten. Das britische Verteidigungsministerium begann den Angaben zufolge am 12. Juni mit den Planungen für eine Invasion.

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