Politik : Wählerpotential der ultrarechten Parteien bei zehn Prozent

FRANK JANSEN

BERLIN .Die rechtsextremen Parteien DVU, "Republikaner" und NPD verfügen zusammen über ein Wählerpotential von zehn Prozent.Braune Einstellungen sind in der Bevölkerung indes stärker verbreitet: 17 Prozent in den neuen Bundesländern und zwölf Prozent in Westdeutschland denken in rechtsextremen Kategorien.Dies sind Ergebnisse einer Studie der Parteienforscher Oskar Niedermayer und Richard Stöss, die am Donnerstag in Berlin präsentiert wurde.Die Wissenschaftler halten jedoch einen Erfolg der Ultras bei der Bundestagswahl für unwahrscheinlich.

Es sei aber nicht auszuschließen, daß die rechtsextremen Parteien in den letzten Wochen vor dem Urnengang ihr Wählerpotential noch erhöhen können.Die Parteiforscher der Freien Universität Berlin halten zwei Faktoren für ausschlaggebend: Sollten die Rechtsextremisten ihre Kräfte auf die Partei mit den größten Wahlchancen bündeln und obendrein über eine gezielte Kampagne die "systemverdrossenen" Teile der Bevölkerung stärker ansprechen, bestehe die Gefahr des Einzugs in den Bundestag.

Die Studie basiert auf einer Umfrage des Demoskopie-Instituts Forsa, das im Frühjahr an 2004 West- und 1760 Ostdeutsche herangetreten war.Initiiert wurde die Untersuchung vom Otto-Stammer-Zentrum der Freien Universität sowie der Deutschen Paul Lazarsfeld-Gesellschaft.Einige Ergebnisse widersprechen den gängigen Interpretationen, die vor allem nach dem Wahlerfolg der DVU in Sachsen-Anhalt zu vernehmen waren.So findet sich laut Studie nur ein Drittel des Protestpotentials im Wählerpotential der rechtsextremen Parteien wieder.Ein weiteres Drittel stellen die überzeugten Rechtsextremisten.Der Rest setzt sich zum Teil sogar aus Wahlberechtigten zusammen, die mit der Demokratie zufrieden sind.Gründe nennt die Studie nicht.Außerdem wurde ermittelt, daß nur jeder fünfte Ostdeutsche mit den verfassungsmäßigen Grundlagen als auch dem Funktionieren der Demokratie in der Bundesrepublik einverstanden ist - im Westen jeder dritte.

Die Parteienforscher fanden auch heraus, daß die Rechtsextremisten im Vergleich zur Ära der alten Bundesrepublik ihre Basis verbreitern konnten.Seien im Westen früher vor allem die Mittelschichten anfällig gewesen, müsse heute ein "Überlappen" zu Arbeitern und Erwerbslosen festgestellt werden.Im Westen zählen mit 18 Prozent indes deutlich mehr Arbeitslose zum Wählerpotential der Ultrarechten als in den neuen Ländern (10 Prozent).Bei den 18- bis 34jährigen liegen die Ostdeutschen, analog zu den Ergebnissen in Sachsen-Anhalt, mit einem Anteil von 35 Prozent deutlich vor den Westlern (22 Prozent).

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