Waffendeal : Tripolis distanziert sich von Gaddafis Sohn

Die libysche Regierung übt sich in Schadensbegrenzung. Nach Äußerungen von Seif al-Islam al-Gaddafi zum geplanten Rüstungsgeschäft mit Frankreich weist die libysche Regierung Gaddafis Sohn in seine Grenzen: Seine Aussagen seien für den Staat "nicht bindend".

Kairo Die libysche Führung hat sich von den jüngsten Äußerungen von Seif al-Islam al-Gaddafi zu einem geplanten Waffengeschäft mit Frankreich distanziert. Die arabische Zeitung "Al-Sharq al-Awsat" zitierte einen Regierungsbeamten mit den Worten: "Gaddafis Sohn übt kein offizielles Amt in diesem Staat aus, weshalb das, was er sagt, für den Staat auch nicht bindend ist." Gleichzeitig betonte er jedoch, es gebe keinen Streit zwischen Seif al-Islam und den konservativen Kräften um seinen Vater, Staatschef Muammar al Gaddafi. "Seif al-Islam spielt eine positive Rolle, aber er ist nicht der maßgebliche Entscheidungsträger", fügte er hinzu.

Offiziell hat die libysche Regierung bislang nicht zu den Enthüllungen von Gaddafis Sohn Stellung genommen. Dieser hatte in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde" erklärt, die in Libyen erst zum Tode und dann zu lebenslanger Haft verurteilten bulgarischen Krankenschwestern seien im vergangenen Monat unter anderem deshalb freigelassen worden, weil Paris den Libyern Panzerabwehrraketen und ein Projekt zur Herstellung von Waffen in Aussicht gestellt habe. Die fünf Krankenschwestern und der Arzt seien "Sündenböcke" gewesen. Er selbst habe nie an ihre Schuld geglaubt.

Libyen profitiert von Schuldenerlass

Die Krankenschwestern und der Arzt, ein gebürtiger Palästinenser, waren von der libyschen Justiz verurteilt worden, weil sie angeblich in einem Krankenhaus in Benghasi absichtlich mehr als 400 Kinder mit dem Aids-Virus HIV infiziert haben sollen. Nach eigenen Angaben waren sie in der Haft gefoltert worden. Westliche Mediziner gehen jedoch davon aus, dass schlechte Hygiene in der Klinik die Ursache der Infektionen war. Eine Stiftung, die Gaddafis Sohn leitet, hatte im Juli eine Einigung mit Bulgarien und der EU erzielt, die Entschädigungszahlungen für die Familien der infizierten Kinder und andere finanzielle Hilfen vorsieht. Daraufhin kamen die sechs Ausländer frei und konnten nach Bulgarien ausreisen.

Die Regierung in Sofia hatte am Donnerstag bekanntgegeben, sie werde Libyen seine Schulden in Höhe von 56,6 Millionen Dollar (41 Millionen Euro) erlassen. Das Geld soll an den internationalen Fonds zur Unterstützung der an Aids erkrankten Kinder in Benghasi überwiesen werden. (mit dpa)

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