Politik : Waffenfunde und Festnahmen - Albright warnt Tirana vor "Groß-Albanien"

US-Außenministerin Madeleine Albright hat in Tirana vor der Schaffung eines Groß-Albanien gewarnt. Die internationale Gemeinschaft werde eine solche Expansion genauso wenig akzeptieren wie ein Groß-Serbien oder ein Groß-Kroatien, sagte Albright bei einem Kurzbesuch am Wochenende in der albanischen Hauptstadt. Die Außenministerin reagierte damit auf Überlegungen, die mehrheitlich von Albanern bewohnte jugoslawische Provinz Kosovo dem Nachbarland Albanien anzugliedern. Sie rief zudem dazu auf, den Rachegefühlen gegenüber Serben nach den Gräueltaten im Kosovo nicht nachzugeben.

In einer spontanen Ansprache wandte sich Albright an die albanische Bevölkerung, die die Außenministerin mit Jubel begrüßte. Die Ministerin dankte den Albanenrn für die großzügige Aufnahme von fast einer halben Million Flüchtlinge während des Kosovo-Krieges. Sie versprach, Washington werde das ärmste Land Europas weiterhin unterstützen. Bei dem nur wenige Stunden dauernden Besuch hielt Albright eine Rede vor dem Parlament und traf mit PräsidentRexhep Majdani sowie mit dem ehemaligen Führer der Kosovo-Befreiungsarmee UCK, Hashim Thaci, zusammen.

Nach wochenlangen Spannungen und Gewalttaten in der zwischen Serben und Kosovo-Albanern geteilten Stadt Kosovska Mitrovica hat dort die KFOR-Friedenstruppe unterdessen eine groß angelegte Waffen-Razzia gestartet. Wie ein Sprecher am Sonntag mitteilte, durchsuchten rund 2500 Soldaten und UN-Polizisten, darunter Deutsche, Franzosen und Amerikaner, jedes Haus. Bereits zu Beginn der Aktion wurden mehrere Kalaschnikows und Plastiksprengstoff vor allem im Nordteil der Stadt gefunden, in dem mehrheitlich Serben leben. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Vertreter der Serben beschwerten sich anschließend über "gewaltsames Vorgehen der Amerikaner". In einem Studentenwohnheim seien alle Türen eingetreten worden. Auch ein Kinderkrankenhaus sei durchsucht worden. Oliver Ivanovic, ein Sprecher der Serben, warf den USA "Provokation" vor. Wütende Serben bewarfen daraufhin die US-Soldaten mit Steinen.

Die Einwohner von Kosovska Mitrovica wurden am Morgen über Rundfunk, mit Lautsprechern und Flugblättern über die Razzia informiert, die nach Angaben der KFOR mehrere Tage dauern soll. Personen, die Waffen besäßen oder verdächtigt würden, Hass und Gewalt zu verbreiten, würden festgenommen, hieß es.

In der Stadt stiegen die Spannungen zwischen den verfeindeten Volksgruppen, nachdem Anfang Februar ein Bus mit Serben von einer Rakete getroffen worden war. Dabei kamen zwei Serben ums Leben. Bei Kämpfen in der Stadt wurden in der Folge sieben Menschen getötet und Dutzende verletzt. Angesichts der Spannungen schickten die USA eine Truppenverstärkung mit 40 Fahrzeugen in die Stadt.

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