Politik : Waffenruhe im Nahen Osten wird brüchig

Hamas ruft wieder zu Attacken auf Israel auf

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Neun von der israelischen Armee getötete Palästinenser – und als Antwort ein Aufruf der radikalislamischen Hamas, die Attacken gegen Israel wieder aufzunehmen: Der bisher mehr oder weniger eingehaltene Waffenstillstand droht in eine neue Eskalation der Gewalt umzuschlagen. Über das Wochenende, innerhalb von weniger als 24 Stunden, töteten die israelischen Truppen im Westjordanland acht meist bewaffnete Palästinenser. Nach einem Kassam-Raketenangriff auf die israelische Kleinstadt Sderot aus dem Gazastreifen heraus wurde ein Palästinenser im Jabaliyah-Flüchtlingslager im nördlichen Gazastreifen durch eine von einem israelischen Kampfhubschrauber abgefeuerte Rakete ebenfalls getötet.

Unter den Toten befinden sich ein seit drei Jahren gesuchter, 20-jähriger Bombenbauer und sein Helfer, beide Angehörige der Al-Aksa-Brigaden der Fatah-Partei von Präsident Mahmud Abbas, aber auch ein 17-jähriges Mädchen, dessen Bruder als Aktivist des extremistischen Islamischen Dschihad gesucht wurde. Die Suchaktionen und Feuerwechsel konzentrierten sich auf das nördliche Westjordanland, nämlich die Stadt Dschenin und deren Umgebung sowie auf Nablus.

Die die Regierung anführende radikal-islamische Hamas-Bewegung rief am Sonntag, noch vor den letzten Feuerwechseln, zu einer Wiederaufnahme der Attacken gegen Israel auf: „Das Blut unseres Volkes ist nicht billig“, ließ Hamas-Sprecher Fausi Barhum erklären. „Deshalb rufen wir die palästinensischen Widerstandsgruppen zu einem gemeinsamen Widerstand und zum Einsatz aller möglichen Widerstandsmittel auf, um so auf die Massaker zu antworten.“

Seit dem letzten November gilt ein von den Palästinensern einseitig vereinbarter Waffenstillstand im Gazastreifen, den Israel dort nur in Reaktion auf Kassam-Raketenangriffe bricht. Die Ausdehnung des Waffenstillstands auf das Westjordanland, die beide Regierungen angeblich anstreben, ist bisher nicht vollzogen worden. Ghazi Hamad, Sprecher des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanijah von der Hamas, verweigerte jeden Kommentar zum Kampfappell der Hamas. Aber seine Regierung „verurteilt die schrecklichen Massaker und Verbrechen, welche die israelische Politik militärischer Aggression reflektieren“.

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