Politik : Wahid will einen Feldzug der Moslems gegen Christen verhindern

Neue Ausschreitungen zwischen Christen und Moslems auf den zu Indonesien gehörenden Molukken-Inseln haben die innenpolitischen Spannungen in dem riesigen asiatischen Inselstaat angeheizt. Mehrere Hundert radikale Moslems demonstrierten am Mittwoch vor dem Parlament in Jakarta und verlangten einen "Heiligen Krieg" (Dschihad) gegen die Christen, wenn die Regierung dem Blutvergießen auf der ostindonesischen Inselgruppe kein Ende bereite. Präsident Abdurrahman Wahid, selbst ein geachteter moslemischer Führer, warnte seine Glaubensgenossen dagegen vor einem Dschihad. Seine Regierung werde es notfalls gewaltsam verhindern, dass radikale Moslems in die Provinz reisten, um an den Kämpfen teilzunehmen. In Jakarta trauen sich indes viele Christen nicht mehr aus ihren Häusern.

Bei den jüngsten Auseinandersetzungen auf den Molukken-Inseln wurden mindestens 21 Menschen getötet, wie Augenzeugen und indonesische Medien am Mittwoch berichteten. Die heftigsten Kämpfe mit neun Toten und Dutzenden Verletzten gab es demnach in der Stadt Masohi auf der Insel Seram. Die Sicherheitskräfte erklärten dazu, zahlreiche Gebäude seien niedergebrannt worden und Tausende Menschen geflohen. Wie der "Indonesian Observer" meldete, waren die Unruhen am Samstag auf der Insel Seram trotz umfassender Truppenverstärkungen ausgebrochen. In der Stadt Masohi seien hunderte Häuser unbewohnbar, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf die Polizei.

Indonesiens Militärchef Admiral Widodo gab die Stärke der jetzt auf den Inseln zusammengezogenen Truppen mit 15 Bataillonen an, wie die die staatliche indonesische Nachrichtenagentur Antara am Mittwoch meldete. Widodo hält sich seit Montag zu einer Inspektion der Sicherheitslage auf den Molukken auf. Ein indonesisches Bataillon besteht aus 600 bis 700 Soldaten.

Nach weiteren Angaben von Antara überwacht die Armee nach Übernahme der Sicherheitskontrolle am 27. Dezember jetzt auch den Flug- und Schiffsverkehr auf den Molukken. Damit solle das Einschleusen von Waffen und Kämpfern auf die Inseln unterbunden werden. Nach Angaben indonesischer Zeitungen hat es seit dem Beginn der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Moslems am 19. Januar 1999 auf der Insel Ambon insgesamt 1800 bis 2000 Tote gegeben.

Das Militär setzt Präsident Abdurrahman Wahid indessen unter Druck, den Ausnahmezustand über die Molukken zu verhängen. Der islamische Intellektuelle Wahid besteht jedoch darauf, die Krise könne nur auf lokaler Ebene zwischen den beteiligten Parteien beigelegt werden. Nach Angaben indonesischer Militärs sind bereits Hunderte von Menschen auf den Molukken aus Angst vor der Gewalt in die Wälder geflohen. "Wir suchen sie, um sie medizinisch zu versorgen und an sichere Orte zu bringen", sagte ein Militärsprecher am Mittwoch in Ambon.

Auch in der nach Unabhängigkeit strebenden Provinz Aceh im äußersten Nordwesten Sumatras wurden am Mittwoch zwölf neue Leichen von Opfern der dortigen separatistischen Unruhen gefunden. Nur eines der Opfer sei bisher identifiziert worden, erklärten Menschenrechtsgruppen. Dabei handele es sich um einen Bauern, der zuvor von der Polizei festgenommen worden sei.

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