Wahl : Bundestagssitze werden nach neuem Verfahren zugeteilt

Eine Premiere gibt es bei dieser Bundestagswahl, die sich möglicherweise auch ein wenig auf das Endergebnis bei den Sitzen auswirken kann.

Berlin - Die Sitzzuteilung auf die Parteien gemäß dem Stimmenverhältnis wird nämlich nicht mehr nach der Methode Hare/Niemeyer berechnet, sondern nach einem Verfahren, das auf den französischen Mathematiker André Sainte-Lague und den deutschen Statistiker Hans Schepers zurückgeht.

Der Grund? Hare/Niemeyer kann unter Umständen zu einer leichten Verzerrung des Wahlergebnisses führen, Sainte-Lague/Schepers dagegen besitzt (auch gegenüber dem bis 1983 verwendeten Verfahren nach d’Hondt) eine etwas höhere Verteilungsgerechtigkeit. Meist ergibt sich zwar bei allen drei Methoden die gleiche Sitzzahl für die Parteien, bei bestimmten Wahlergebnissen aber weichen die Zahlen leicht voneinander ab. Es geht dabei zwar nur um einen Sitz hin oder her – bei sehr knappen Ergebnissen aber kann das mitentscheidend sein.

Sainte-Lague wird im Bundestag seit 1980 für die Verteilung der Ausschusssitze verwendet. Es hat den Vorteil, dass weder große Parteien (wie bei d’Hondt) noch die kleinen bevorzugt werden und dass es die im Extremfall bei Hare/Niemeyer auftretenden Paradoxien nicht kennt. Freilich ändert das Sitzzuteilungsverfahren nichts daran, dass die absehbaren Überhangmandate das Ergebnis nach dem reinen Stimmenverhältnis verzerren werden. Da Überhangmandate immer direkt gewonnene Mandate sind, können sie nicht gestrichen werden, und Ausgleichsmandate sind nicht vorgesehen. Allerdings gehört das Verfahren nach Sainte-Lague/Schepers zu den Vorschlägen, die Auswirkungen des „negativen Stimmgewichts“ zu dämpfen. Dieses Problem tritt auf, wenn Parteien in einem Bundesland Überhangmandate haben; die Zweitstimmen dieser Partei in dem Land können in der bundesweiten Mandatsverteilung zu weniger Sitzen für diese Partei führen. afk

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