Wahl des UN-Generalsekretärs : Eiserne Hand im Samthandschuh

Die jahrzehntelange Diplomatenkarriere von Ban Ki Moon könnte bald gekrönt werden: Der südkoreanische Außenminister hat beste Chancen, Nachfolger von UN-Generalsekretär Kofi Annan zu werden.

Seoul - Am Montag gewann er die entscheidende Probeabstimmung im UN-Sicherheitsrat und erhielt die Rückendeckung aller fünf Vetomächte. Damit steht der für kommende Woche geplanten Wahl des Asiaten durch die UN-Vollversammlung nichts mehr im Wege.

Wie der Ghanaer Annan gilt auch Ban als eher sanfte Natur. Doch der 62-Jährige kann durchaus resolut werden, wenn es gilt, Ziele umzusetzen: "Er ist wie eine eiserne Hand im Samthandschuh", charakterisierte der südkoreanische Außenamtssprecher Ko Ki Seok kürzlich seinen Chef. Ban selbst sagte: "Ich mag äußerlich sanft wirken, aber ich habe, wenn es wirklich nötig ist, eine innere Stärke. Ich war immer sehr entschlossen."

Reformen mit Entschlossenheit umsetzen

Entschlossenheit ist eine Eigenschaft, die Ban als UN-Generalsekretär brauchen wird: Eines seiner wichtigsten Ziele ist die Reform der schwerfälligen Weltorganisation. "Die Uno leidet unter ihrer Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen", kritisierte er. Die Vereinten Nationen müssten "weniger versprechen und mehr leisten".

Politisch sieht Ban die Beilegung des Atomstreits mit Nordkorea als eine der vorrangigsten Aufgaben an - ein Thema, das der Südkoreaner bei seiner Kandidatur besonders hervorhob und durch die Ankündigung eines Atomtests durch Pjöngjang neue Dringlichkeit erfuhr. Auch Bans langjährige Erfahrung mit UN-Themen dürfte ihm zugute gekommen sein. Während seiner bislang 36-jährigen Diplomatenlaufbahn hatte er rund zehn Jahre mit der UNO zu tun. Seine guten Beziehungen zu den USA will er nutzen, um die Kluft zwischen Washington und der UNO zu überwinden.

Diplomatische Karriere

Der im Juni 1944 geborene Ban Ki Moon trat im Alter von 26 Jahren in den diplomatischen Dienst ein. In der Tasche hatte er damals einen Abschluss der besten Universität seines Landes, der Nationaluniversität in Seoul, und ein Diplom der Kennedy School of Governance an der US-Eliteuniversität Harvard. Von 1978 bis 1980 war er erster Sekretär der südkoreanischen Vertretung bei den Vereinten Nationen; es folgten drei Jahre als Verantwortlicher für die UNO im südkoreanischen Außenministerium.

2001 wurde Ban für zwei Jahre UN-Botschafter; außerdem leitete er das Büro des damaligen Vorsitzenden der 56. UN-Vollversammlung, des Südkoreaners Han Seung Soo. Als Chefberater in außenpolitischen Fragen von Präsident Roh Moo Hyun war Ban intensiv mit den Sechs-Nationen-Gesprächen befasst, die Nordkorea von seinem umstrittenen Atomprogramm abbringen sollen, derzeit aber auf Eis liegen.

Diplomatenkollegen beschreiben Ban als stressresistenten Fleißarbeiter, der auch mit im Fünfminutentakt durchgeplanten Tagen gut zurechtkommt. Außerdem gilt er als Mann des Kompromisses - eine Eigenschaft, die ihm in seinem Anfang 2004 angetretenen Amt des Außenministers half, schwierige Zeiten in den Beziehungen zu den USA oder Japan durchzustehen. Beständigkeit zeigt Ban auch privat: Er ist mit seiner Jugendliebe Yoo Soon Taek verheiratet; mit ihr hat er drei Kinder. Die ältere der beiden Töchter arbeitet für Unicef in Afrika. (tso/AFP)

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