Wahl in der Schweiz : Roger Köppels neue Mission

Der streitbare Chefredakteur ist mit einem Rekordergebnis in den Nationalrat gewählt worden. Wird er nach Christoph Blocher neuer Taktgeber der SVP?

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Roger Köppel, Chef der rechten "Weltwoche", am Wahlabend nach seinem Wahlsieg für die SVP.
Roger Köppel, Chef der rechten "Weltwoche", am Wahlabend nach seinem Wahlsieg für die SVP.Foto: REUTERS

Den erfolgreichsten unter allen Kandidaten der Schweizer Nationalratswahlen kennen auch viele Deutsche: Roger Köppel ist gern gesehener Gast in hiesigen Talkshows. Denn der Chefredakteur der "Weltwoche" garantiert handfesten Streit, wenn er wortgewaltig den "linksliberalen Mainstream" attackiert, wie er das nennt. Bei den Wählern kamen die Angriffe des 50-jährigen Medienunternehmers gut an: Obwohl Köppel erst vor Kurzem der Schweizerischen Volkspartei (SVP) beigetreten war, erhielt er die Rekordzahl von fast 180.000 Stimmen – mehr als jeder andere Nationalratskandidat bisher.

Mit mehr als 29 Prozent der Stimmen und 65 von 200 Sitzen im Nationalrat ist die SVP der große Gewinner der Parlamentswahl vom Sonntag. Ihre Hauptforderungen sind die nach einer harten Asylpolitik und einer größeren Distanz der Schweiz zur Europäischen Union (EU). Köppel selbst führt seinen Erfolg darauf zurück, dass er "ein klarer Vertreter der Unabhängigkeit der Schweiz gegenüber der Europäischen Union" sei. Sein Ziel ist es, "dass wir aufhören mit dieser Mitte-Links-Politik" in der Hauptstadt Bern und "Asylprobleme endlich einmal entschlossen anpacken".

Manchen Beobachtern in der Schweiz gilt der kurzzeitige Chefredakteur der deutschen Tageszeitung "Welt" (2004 bis 2006) schon als neuer "Chefideologe" der SVP in der Nachfolge von deren Ziehvater Christoph Blocher. Ein Interview mit dem Milliardär und Förderer der rechts-nationalen SVP war für Köppel vor vielen Jahren zum politischen Erweckungserlebnis geworden. Seither ist sein Weg mit dem Blochers eng verbunden – so etwa vor drei Jahren beim Schweizer Volksentscheid zum Minarettverbot, den Köppel als "leuchtendes Beispiel der Demokratie in Europa" pries.

Nach ihrem Erfolg fordert die Volkspartei nun energisch einen zweiten Sitz für sich in der nächsten Regierung. Die rechtsbürgerlichen Parteien haben nach der Wahl im Nationalrat eine knappe absolute Mehrheit. Der politische Newcomer Köppel gehört allerdings nicht zu den Kandidaten, denen Beobachter Chancen auf ein zweites SVP-Ministeramt zuschreiben. Seine Funktion als Politiker beschreibt Köppel mit dem Satz, er wolle "weiterhin die unbequeme Stimme der Vernunft" sein. Chefredakteur und Verleger der "Weltwoche" will er bleiben.

Mit Köppel in den Nationalrat gewählt wurde auch ein Kandidat, der im politischen Berlin gut vernetzt ist: Tim Guldimann war bis zum Frühjahr Schweizer Botschafter in Deutschland. Nun ist der Sozialdemokrat der erste Auslandsschweizer, der ohne Wohnsitz im Heimatland ins eidgenössische Parlament gewählt wurde. Im Kanton Zürich überflügelte er andere SP-Kandidaten. Der Karrierediplomat, der in seiner Laufbahn schwierige Verhandlungen leitete und OSZE-Sonderbeauftragter für die Ukraine war, wird weiter in Berlin wohnen bleiben und für die Parlamentssitzungen anreisen. Er will sich vor allem um die Anliegen der Auslandsschweizer kümmern.

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