Wahl in Haiti : Wyclef Jean darf nicht kandidieren

Ein Rapper als politischer Hoffnungsträger - das gibt es höchstselten. Doch in Haiti darf der US-Musiker Wyclef Jean nicht bei den Präsidentschaftswahlen antreten.

Rapper Wyclef Jean mit Kopftuch und Krawatte.
Rapper Wyclef Jean mit Kopftuch und Krawatte.Foto: dpa

Der Rapper mit haitianischen Wurzeln wurde nicht in die Kandidatenliste aufgenommen, die am Freitagabend in Port-au-Prince veröffentlicht wurde. Eine Begründung wurde zunächst nicht mitgeteilt. Dem 38-Jährigen waren große Chancen eingeräumt worden, bei der Wahl zu siegen, da er vor allem bei der Jugend sehr populär ist.

Jean rief seine Anhänger in einer am späten Freitag veröffentlichte Erklärung dazu auf, die Entscheidung zu akzeptieren. „Obwohl ich sie für falsch halte, respektiere ich die endgültige Entscheidung der Kommission und fordere meine Anhänger auf, dies auch zu tun“, schrieb er. Er wolle auch weiterhin für Haiti arbeiten. Wyclef Jean war in den 90er Jahren mit der Gruppe „Fugees“ und deren Coverversion des Song „Killing me softly“ bekannt geworden.

Das Kandidatenbüro der nationalen Wahlkommission hatte am Freitagmorgen zunächst Gerüchte zurückgewiesen, nach denen die Bewerbung des Sängers abgelehnt worden sei. Allerdings geschah das lediglich mit dem Hinweis, die Liste sei noch nicht veröffentlicht. Nach Meinung von Beobachtern wurde die Liste erst spät in der Nacht bekanntgemacht, um Demonstrationen für Jean zu verhindern.

Eine der Voraussetzungen für die Zulassung zur Wahl ist, dass der Bewerber die letzten fünf Jahre in Haiti gelebt hat. Der 38-jährige Musiker wurde in Haiti geboren, lebt aber seit der Kindheit in den USA. Er hat sich in den vergangenen Jahren stark für Haiti engagiert, vor allem nach der Erdbebenkatastrophe im Januar dieses Jahres.

Jean war am Donnerstag mit dem haitianischen Präsidenten René Préval zu einem längeren Gespräch zusammengetroffen, wie Radio Metropole am Freitag berichtete. Er habe seine Anhänger aufgefordert, Ruhe zu bewahren, auch wenn die Kommission seine Bewerbung ablehnen sollte. Er selbst hatte nach eigenen Angaben Drohungen erhalten und hält sich seitdem an einem geheimen Ort in Port-au-Prince auf.

In den vergangenen Tagen war es mehrfach zu Demonstrationen Sänger gekommen. Die UN-Stabilisierungstruppe Minustah erklärte, sie werde Frieden und Sicherheit in Port-au-Prince garantieren. (dpa)

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