Politik : Wahl in Togo von Gewalt überschattet

Christoph Link

Lome - Die ersten demokratischen Wahlen nach 38 Jahren Diktatur im westafrikanischen Togo am Sonntag waren von Gewalt überschattet. Sowohl Opposition als auch Regierungspartei berichteten von Wahlbetrug. Die Glückwünsche von UN-Generalsekretär Kofi Annan zur „friedlichen und geordneten Wahl“ in Togo kamen verfrüht. Noch am Sonntagabend hieß es, mindestens drei Menschen seien in der Hauptstadt Lomé ums Leben gekommen. Nach diplomatischen Quellen handelt es sich um drei junge Männer, die von Unbekannten gestoppt wurden, als sie Wahlurnen entwendeten.

Der Raub von Wahlkästen und das Verbrennen des Inhalts wurden im oppositionellen Stadtteil Bé von Lomé vor allem dem Militär angelastet. Bé war am Sonntagabend Schauplatz von Krawallen, bei denen aufgebrachte Jugendliche Barrikaden aus brennenden Reifen errichteten und skandierten, man wolle ihnen „den Wahlsieg stehlen“. Das Wahlergebnis – 3,5 Millionen waren stimmberechtigt – will die unabhängige Wahlkommission frühestens am heutigen Dienstag bekannt geben. Die besten Chancen werden dem Sohn des Anfang Februar verstorbenen Diktators Eyadema, dem 39-jährigen Gnassingbé, sowie dem Oppositionskandidaten, dem 74-jährigen Emmanuel Akitani Bob, eingeräumt. Sowohl Opposition als auch Regierungspartei warfen sich gegenseitig „massiven Wahlbetrug“ vor.

Beobachter rechnen nach der Verkündung des Wahlergebnisses mit neuen Ausschreitungen, gleich, wie es ausfällt. Der vergangene Woche fristlos entlassene Innenminister, Francois Esso Boko, der vor einem „Bürgerkrieg“ bei einem Festhalten am Wahltermin gewarnt hatte, hat Schutz in der deutschen Botschaft in Lomé gesucht. Man suche nach einer Möglichkeit, dass Boko die Botschaft unter guten Sicherheitsvorkehrungen verlassen könne, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

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