Wahl-Weise : Blick in den Spiegel

Antje Sirleschtov sagt, warum der Wahlkampf doch nicht zum Gähnen war.

„Yes, we gähn“? – War er denn wirklich so öde, so inhaltsleer, so langweilig, so trist, dieser Bundestagswahlkampf 2009, der an diesem Samstag zu Ende gehen wird? Oder haben wir Wahlberechtigten nicht auch eine ganze Menge erfahren über die Politiker und Parteien, die das Land in den nächsten vier Jahren regieren wollen? Über Angela Merkel zum Beispiel: eine Bundeskanzlerin, deren Wahlkampfstil die Zielkonflikte von CDU und CSU umso klarer offenlegte, je präsidialer er wurde. Oder die Sozialdemokraten in ihrer Not, einen den eigenen Leuten vermittelbaren Koalitionspartner zu finden. Wir wissen jetzt, wie groß die Wahrscheinlichkeit von Steuersenkungen ist – nämlich nicht sehr groß. Und wir wissen, dass es Einschnitte, mindestens bei Subventionen, geben wird. Allerdings nicht, wo.

Auch das haben wir gelernt in diesem Wahlkampf: Die Politiker halten uns ganz offen den Spiegel vor. Und darin schaut man in die Gesichter von Wählern, die wissen wollen, wie die Parteien demnächst Milliarden einsparen, denjenigen, die offen darüber sprechen, jedoch mit Stimmentzug drohen.

Mag sein, dieser Wahlkampf hat uns gelehrt, dass man kein spritziger Redner oder gar eine Rampensau sein muss, um erfolgreich um Stimmen werben zu können. Vielleicht wird auch die Ausschließeritis, dieser schlimme Virus der Koalitionsfestlegungen, den SPD, FDP und Grüne noch einmal ins Zentrum gerückt haben, nun endgültig ausgestorben sein. Was jetzt zählt? Hingehen! Wählen! Yes, we can!

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