Wahlanalyse : CDU in allen Altersgruppen stärkste Partei

Erste Auswertungen der Forschungsgruppe Wahlen: Die Sozialdemokraten verlieren in Hessen bei Jung und Alt im zweistelligen Bereich.

Wiesbaden - Ein massiver Ansehensverlust der SPD, ein Absturz in der Glaubwürdigkeit von Andrea Ypsilanti und ein relativ stabiler Ministerpräsident Roland Koch: Das sind für die Forschungsgruppe Wahlen die drei entscheidenden Gründe für den Ausgang der Landtagswahl in Hessen. Die Wahlforscher halten fest: Das Ansehen der CDU in Hessen ist im Vergleich zum letzten Jahr gestiegen (0,8 auf der +5/-5-Skala). Mit 42 Prozent liegt Roland Koch bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten vor dem SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel (36 Prozent).

Koch polarisiert aber weiterhin sehr stark: Auf der +5/-5-Skala wird er von allen Befragten nur leicht positiv (0,1) bewertet, dabei erhält er von seinen eigenen Anhängern einen sehr guten Wert von 2,7, von den SPD-Anhängern aber ausgesprochen schlechte minus 2,0. Thorsten Schäfer-Gümbel wird in der Gesamtheit etwas besser beurteilt (0,4) als Koch. Er erreicht jedoch bei den SPD-Anhängern mit 2,1 einen weniger guten Wert als Koch bei den CDU-Anhängern. Beim Persönlichkeitsprofil gilt Schäfer-Gümbel als der Sympathischere und der mit der größeren Bürgernähe, bei allen „harten“ Kompetenzen wie Sachverstand, Siegertyp und Tatkraft liegt Koch aber weit vor ihm. Mit einem Wert von minus 0,5 hat die SPD einen massiven Ansehensverlust im Vergleich zur Wahl 2008 (plus 0,9) erlitten. So sind 63 Prozent der Wähler der Meinung, die SPD habe seither an Glaubwürdigkeit verloren. Für die großen Stimmenverluste wird vor allem die ehemalige SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti verantwortlich gemacht: 82 Prozent aller Wähler geben ihr daran sehr viel oder viel Schuld, selbst unter den SPD-Anhängern meinen dies 70 Prozent.

Die CDU ist nun wieder in allen Altersgruppen stärkste Partei, nach wie vor erzielt sie ihr bestes Ergebnis bei den Wählern über 60 Jahren mit 46 Prozent. Bei den unter 60-Jährigen bleibt sie mit 32 bis 34 Prozent deutlich unter ihrem Landesergebnis.

Die SPD verliert in allen Altersgruppen im zweistelligen Bereich mit Ausnahme der Wähler ab 60 Jahren. In den jüngsten Altersgruppen sind die Stimmenanteile für die SPD fast nur noch halb so groß wie vor einem Jahr. Bei Verlusten von minus 20 Prozentpunkten bei den Wählern unter 30 Jahren beziehungsweise minus 18 bei den Wählern zwischen 30 und 44 Jahren kommt sie hier nur noch auf 22 beziehungsweise 21 Prozent. In diesen Gruppen fallen die Verluste bei Frauen nochmals höher als bei Männern aus.

Die FDP legt in allen Altersgruppen relativ gleichmäßig zu und kann ihre Stimmenanteile jeweils nahezu verdoppeln. Am stärksten wird sie bei den 30- bis 44-Jährigen mit 18 Prozent. Die Grünen sind nach wie vor in der großen Gruppe der Wähler ab 60 Jahren mit 7 Prozent vergleichsweise schwach. In allen anderen Altersgruppen haben sie hohe Zugewinne und kommen mit 17 bis 19 Prozent auf deutlich zweistellige Ergebnisse. Tsp

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