Wahlbetrug : Washington rügt Karsai

Verstimmung zwischen Washington und Kabul: Die US-Regierung hat Vorwürfe des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai entschieden zurückgewiesen, nach denen Ausländer hinter den Manipulationen bei der Wahl im vorigen Jahr stecken sollen.

„Die Annahme, dass die internationale Gemeinschaft in irgendeiner Weise für die Unregelmäßigkeiten bei der jüngsten Wahl verantwortlich sein könnte, ist grotesk“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley. Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, nannte die Äußerungen Karsais „verstörend“.

Karsais Kritik war ihrerseits ungewöhnlich scharf: „Es gab Wahlbetrug bei den Präsidenten- und Provinzwahlen, ohne Zweifel gab es weit verbreiteten Betrug, sehr massiven Betrug“, hatte Karsai am Donnerstag gesagt. „Aber nicht die Afghanen haben diesen Betrug begangen, die Ausländer waren das.“ Gleichzeitig warf er dem Westen vor, die im September geplante Parlamentswahl stoppen zu wollen. Namentlich machte Karsai den früheren stellvertretende UN-Sondergesandten Peter Galbraith und den Franzosen Philippe Morillon, der Chef der EU-Beobachterkommission war, verantwortlich. „Galbraith und Morillon waren das und die Botschaften“, sagte Karsai.

Nach den Worten Crowleys traf sich der US-Botschafter in Afghanistan, Karl Eikenberry, am Freitag mit Karsai. Es sei darum gegangen, „zu klären, was er mit dieser Bemerkung meinte“, sagte der Außenamtssprecher. In einem Telefonat mit US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich Karsai hernach „verwundert“ über den Wirbel um seine Äußerungen zum Wahlbetrug. Karsai habe Clinton nach dem Treffen mit Eikenberry angerufen, sagte ein US-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Erst am vorigen Sonntag hatte Präsident Barack Obama bei einem Blitzbesuch in Afghanistan von Karsai mehr Anstrengungen gegen Korruption verlangt. dpa/AFP

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