WAHL DER IOC-PRÄSIDENTSCHAFT : Thomas Bach und der olympische Sechskampf

Juan Antonio Samaranch Foto: dpa
Juan Antonio SamaranchFoto: dpa

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) gilt als die Weltregierung des Sports. Es ist nicht nur für die Ausrichtung der Olympischen Spiele verantwortlich, sondern gibt auch in Leitlinien für den Weltsport vor, welche Themen besonders wichtig sind. Das IOC mit Sitz in Lausanne ist auch der oberste Ansprechpartner des Sports für andere internationale Organisationen. Daher kommt dem IOC-Präsidenten eine herausragende Bedeutung zu. Er wird nach der heutigen Satzung für acht Jahre gewählt, seine Amtszeit kann anschließend noch einmal um vier Jahre verlängert werden.

In der Geschichte des IOC ragen einige Präsidenten heraus, vor allem Pierre de Coubertin, der Erfinder der Olympischen Spiele der Neuzeit. Er führte das IOC von 1896 bis 1916 und von 1919 bis 1925. Von Präsident Avery Brundage, einem Amerikaner, ist der Satz „The Games must go on“ nach dem Attentat bei den Spielen 1972 in München in die Geschichte eingegangen. Massiv verändert hat das IOC Juan Antonio Samaranch, an dessen Spitze er von 1980 bis 2001 stand. Der Spanier Samaranch ließ den Amateurparagrafen kippen und öffnete Olympia damit für den Profisport. Auch die Kommerzialisierung ist wesentliches Merkmal seiner Amtszeit. Seinem Nachfolger Jacques Rogge aus Belgien hinterließ er nicht nur ein wohlhabendes, sondern auch in seiner Glaubwürdigkeit erschüttertes IOC, nachdem sich Mitglieder bei der Vergabe der Winterspiele 2002 an Salt Lake City hatten bestechen lassen. Rogge brachte etwas Integrität zurück und bemühte sich um einen besseren Kampf gegen Doping – allerdings mit überschaubaren Erfolgen. Bei der Session in Buenos Aires in diesen Tagen wird er verabschiedet, am Dienstag um 17.30 Uhr (MESZ) soll sein Nachfolger feststehen. Um seine Nachfolge haben sich sechs Kandidaten beworben, unter ihnen Thomas Bach, Fecht-Olympiasieger mit der Florett-Mannschaft von 1976 und Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim. Bach steht derzeit an der Spitze des Deutschen Olympischen Sportbundes. Er wäre der erste deutsche IOC-Präsident, weil

Willi Daume 1980 gegen Samaranch verloren hat. „Einheit in Vielfalt“ lautet der Titel seines Wahlprogramms. Von ihm wäre wie von den anderen Kandidaten keine große Kurskorrektur zu erwarten. Der Kampf gegen Doping, Spielmanipulation und überbordene Kommerzialisierung bleiben große Aufgaben für das IOC. Friedhard Teuffel

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