Lauer (Piraten) und Heilmann (CDU) : Das etwas andere Sondierungsgespräch

24.09.2011 09:04 UhrVon Johannes Schneider, Werner van Bebber
  • Christopher Lauer von der Piratenpartei (li.) und Thomas Heilmann, stellvertretender Landesvorsitzender der Berliner CDU. - Foto: Mike Wolff
  • Die besten Statements aus dem Doppelinterview lesen Sie in dieser Bildergalerie. Heilmann: "Die Plakate der Piraten waren, gut, wenn ich das mal zwischendurch sagen darf.... - Foto: Mike Wolff
  • " Was wir von Anfang an gesagt haben, ist, dass wir konstruktiv zusammenarbeiten wollen mit anderen Parteien." - Foto: Mike Wolff

35 Minuten redeten Christopher Lauer und Thomas Heilmann miteinander im Tagesspiegel-Gebäude. Für die Druckausgabe musste das Gespräch gekürzt werden. Hier lesen Sie das ausführliche Interview - samt Video.

Wir wollen ein transparentes Interview führen: Wir fragen, Sie reden, wir schreiben das auf, machen es lesbar – und fertig. Keine Redaktion im Nachhinein, nur blockweises Kürzen für die gedruckte Ausgabe, sonst nichts – einverstanden?

Thorsten Heilmann (TH): Einverstanden.

Christopher Lauer (CL): Okay.

Herr Heilmann, was hat die Piraten so stark gemacht?

TH: Zwei Sachen: Die Unzufriedenheit mit den bestehenden Parteien und den Verhältnissen. Da haben wir sogar was gemeinsam.

Wir haben gesagt: „Damit sich was ändert.“ Sie haben gesagt: „Klar machen zum Ändern.“ Da gibt es plötzlich Berührungspunkte, obwohl wir mit den Antworten sicher unterschiedlich sind. Und sicher auch das sehr etablierte Auftreten der Linksparteien. Die sind ja mit sehr schönen Fotos, sehr glatt aufgetreten, und denen fehlte so ein bisschen das Rebellische. Das Glattgezogene hat denen sicher auch im Auftreten geschadet.

Herr Lauer, würden Sie das bestätigen?

Video: Diskussion mit Thomas Heilmann und Christopher Lauer 

CL: Ich würde sagen, dass es vor allen Dingen so war, dass die Leute tatsächlich eine Alternative gesucht haben. Ich habe am Stand oft gehört: Na ja, die alten Parteien kann man irgendwie nicht wählen – durch die Bank weg. Es war auch eine Unzufriedenheit mit dem Wahlkampf von Frau Künast. Da hat man irgendwie gemerkt: Das kommt nicht so richtig an. Bei mir zum Stand sind Leute von den Grünen gekommen, die gesagt haben: Eure Plakate sind total toll.

TH: Die waren auch gut, wenn ich das mal zwischendurch sagen darf. Handwerklich waren die richtig gut.

CL: Vielen lieben Dank – haben wir ohne Werbeagentur gemacht. Alles selbst ausgedacht. Aber ich glaube, ein wichtiger Punkt an der Stelle ist noch, dass es auch für die Nichtwähler interessant geworden ist. Und den dritten Punkt habe ich jetzt gerade vergessen.

Es sind ja noch fünf Jahre Zeit. Herr Lauer, Ihr Politikverständnis ist notgedrungen unprofessionell.

CL: Ja.

Welchen Vorteil hat das?

CL: Das ist der Punkt, der mir entfallen ist und mir jetzt wieder kommt. Ich glaube, was im Moment bei Menschen ganz gut ankommt und was halt natürlich ist: Wir sagen nicht, dass die Angebote, die die Piratenpartei in ihrem Programm macht, hundertprozentig funktionieren. Es ist tatsächlich nur ein Angebot. Ich hab’ das schon mal gesagt: Es gab Leute am Stand, die haben gesagt: Was macht ihr denn zu dem und dem Thema? Dann habe ich die Parteiposition genannt. Dann haben sie gesagt: Ja, dann kann ich euch nicht wählen. Dann habe ich einfach gesagt, ja, dann wählen Sie uns auch nicht. Also, ich habe mich nicht angebiedert. Die Partei hat sich, glaube ich, auch im Wahlkampf nicht angebiedert.

Auf der nächsten Seite: Wie die Piraten Politik lernen wollen.

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