Wahlen im Kosovo : Thaci erklärt sich zum Sieger

Der frühere Untergrundkämpfer Thaci hat die Wahlen im Kosovo gewonnen und plant umgehend die Unabhänigkeit von Serbien auszurufen. Der Urnengang wurde von der serbischen Minderheit massiv boykottiert die Beteiligung lag nur bei 45 Prozent.

Thaci
Der ehemalige Untergrundkämpfer Hashim Thaci -Foto: AFP

PristinaDer frühere Untergrundkämpfer Hashim Thaci hat sich zum Sieger der Wahlen im Kosovo erklärt. "Ich danke allen, die zu unserem Sieg und zum Sieg des Kosovo beigetragen haben", sagte Thaci auf einer Veranstaltung seiner Demokratischen Partei (PDK) in der Provinzhauptstadt Pristina vor mehreren tausend jubelnden Anhängern. Thaci setzt sich dafür ein, umgehend die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien auszurufen. Nach den bis Sonntagmorgen vorliegenden Auszählungsergebnissen kann die PDK mit 35 Prozent der Stimmen rechnen, die Demokratische Liga (LDK) von Präsident Fatmir Sejdiu mit 23 Prozent. Der Urnengang wurde von der serbischen Minderheit massiv boykottiert, die Beteiligung lag bei 45 Prozent und damit niedriger als 2004.

"Heute abend hat sich im Kosovo die Zeitrechnung geändert", sagte Thaci. "Eine neue Ära beginnt." Mit der Wahl hätten die Bürger des Kosovo der Welt die "Botschaft" gesandt, dass die Provinz als "demokratisches Land in die europäische Familie eintreten kann". Am Dienstag sollen in Brüssel die Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo weitergeführt werden. Die serbische Regierung lehnt eine Unabhängigkeit ab. Thaci hatte kürzlich angekündigt, das Kosovo werde seine Unabhängigkeit ausrufen, wenn bis zum 10. Dezember keine Verhandlungslösung erreicht sei.

OSZE zufrieden mit Wahlverlauf

Die rund 100.000 Serben im Kosovo blieben dem Urnengang weitgehend fern. Sie wollten den "vorläufigen" Institutionen des Kosovo keine "Legitimation" verschaffen, sagte ein Sprecher der Partei des serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica. Der Leiter der OSZE-Mission im Kosovo, Tim Guldimann, zeigte sich zufrieden mit dem Wahlverlauf. Größere Zwischenfälle wurden nicht bekannt.

Am Dienstag wird die Kosovo-Troika aus USA, Russland und Europäischer Union erneut in Brüssel versuchen, zwischen Vertretern der serbischen Regierung und der Verhandlungsdelegation des Kosovo einen Kompromiss zu erreichen. Bis zum 10. Dezember soll die Troika UN-Generalsekretär Ban Ki Moon einen Plan zur Lösung der Status-Frage vorlegen. Der Plan von UN-Vermittler Martti Ahtisaari für eine durch die EU überwachte Unabhängigkeit des Kosovo scheiterte bisher im UN-Sicherheitsrat am Widerstand Russlands. (mit AFP)

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