Wahlen in Frankreich : Setzt Sarkozy die Medien unter Druck?

Gegner von Nicolas Sarkozy haben den Präsidentschaftskandidaten massiv der Einschüchterung von Medien im laufenden Wahlkampf bezichtigt. TV-Duelle seien abgesagt und Werbezeiten der Kandidatenspots verkürzt worden.

Paris - Der Zentrumspolitiker François Bayrou zeigte sich "sicher", dass der frühere Innenminister seine am Samstag von dem Bezahl- Fernsehsender Canal plus geplante Debatte mit der sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal durch Druck verhindert habe. Der Sender hatte diese Debatte zunächst organisieren wollen, dann jedoch mit dem Argument abgesagt, dies verstoße gegen die Gleichbehandlung der Kandidaten.

Zuvor war eine solche Debatte, auf der Sarkozys Rivalin um die Wähler der Mitte werben will, von einem Zeitungsverband abgelehnt worden. Er habe keinen Beweis dafür, dass Sarkozy Druck ausgeübt habe, sagte Bayrou. Dies sei aber genau die Politik des Drohens und der Einschüchterung, die er dem konservativen Kandidaten am Mittwoch auf einer Pressekonferenz vorgeworfen habe. Royals Sprecher Jacques Lang meinte, "der Sarkozy-Staat glaubt schon, sich alles erlauben zu können." Der frühere Kulturminister erklärte, Canal plus hätte auch Sarkozy einfach dieselbe "Werbezeit" wie für Royal zugestehen können.

Sarkozy zweifelt am Einsatz in Afghanistan

Bayrou hatte als Drittplatzierter 6,8 Millionen Stimmen erhalten, um die Royal wie auch Sarkozy für ihre Stichwahl am 6. Mai werben. Auf welchem Forum die angestrebte Debatte Royals mit Bayrou über ihre politischen Ziele noch organisiert werden kann, blieb zunächst offen. Zur Überraschung seiner Konkurrenten hatte sich Sarkozy in den Medien gegen "die langfristige Präsenz französischer Soldaten" in Afghanistan ausgesprochen. Dies schien ihm "nicht entscheidend zu sein", so Sarkozy am Donnerstagabend im Fernsehsender France 2. Die Entsendung der Soldaten im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes sei "sicher nützlich" gewesen, sagte er. "Aber die langfristige Präsenz französischer Soldaten in diesem Teil der Welt scheint mir nicht entscheidend zu sein."

Es sei zu einem bestimmten Zeitpunkt notwendig gewesen, den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zu unterstützen, sagte Sarkozy weiter. Aber auch Frankreichs Präsident Jacques Chirac habe inzwischen entschieden, die Spezialkräfte und einige andere Einheiten abzuziehen. "Das ist eine Politik, die ich fortsetzen werde", kündigte Sarkozy für den Fall seines Wahlsiegs an. Frankreich ist mit tausend Soldaten im Rahmen der Internationalen Schutztruppe ISAF in Afghanistan präsent. Sarkozy tritt am 6. Mai bei der Stichwahl um das französische Präsidentenamt gegen die Sozialistin Ségolène Royal an. (tso/AFP)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben