Wahlen in Italien : Silvio Berlusconi - Retter oder "wandelnde Leiche"?

An Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi scheiden sich die Geister. Für die einen ist er ein Hoffnungsträger für die anderen ein rotes Tuch. So stehen Berlusconis Chancen für eine Rückkehr an die Macht.

Hanns-Jochen Kaffsack[dpa]
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Hat schon gewählt: Silvio Berlusconi. -Foto: dpa

RomItaliens Starregisseur Nanni Moretti hatte ihm bereits 2006 als "Kaiman" ein filmisches Denkmal gesetzt und schätzt ihn heute als "gefährlicher denn je" ein - weil es Silvio Berlusconi an Staatssinn mangele und er die Institutionen verachte. Ganz anders der populäre Komiker Beppe Grillo, der gegen die "korrupte Kaste" in Rom zu Felde zieht: "Silvio Berlusconi ist eine wandelnde Leiche", charakterisiert Grillo trocken den Medienmogul und Oppositionschef. An Berlusconi (71), der bei den Neuwahlen gute Chancen hat, an die Macht zurückzukehren, scheiden sich also wie eh und je die Geister: "Silvio, rette uns", rief ihm eine Anhängerin zu, als der Milliardär und Ex-Regierungschef am Sonntag sein Mailänder Wahllokal aufsuchte.

Anti-Politiker Berlusconi

Retten, aber vor wem? Vor dem linken Gegner Walter Veltroni, der Berlusconi "den Klassenrowdy" nennt? Fragt man Grillo, der es wohl am liebsten sähe, wenn die Italiener einen Bogen um die Wahlurnen machten, dann will eigentlich niemand das marode Italien regieren. Zu sperrig liegen die wirtschaftlich-sozialen Probleme vor dem, der als Nachfolger von Romano Prodi aus der Sackgasse herausführen muss.

Silvio Berlusconi hat noch einmal versucht, jenes verblassende Image als "Anti-Politiker" aufzupolieren, das ihn 1994 erstmals ans Ruder gebracht hatte: "Was Politik angeht, so mache ich das nicht wirklich gern, aber ich bin dazu gezwungen." An einem Bartresen in Neapel meinte er halb im Scherz, nach einem Sieg noch ein paar Jahre im Palazzo Chigi regieren und dann den Staffelstab einem Kronprinzen übergeben zu wollen - war das ein Augenblick der Altersweisheit?

Mäßige Wahlbeteiligung

Mehrfach musste der konservative Kandidat mit der neuen Partei "Volk der Freiheit" betonen, dass er nicht Nachfolger von Präsident Giorgio Napolitano werden wolle. Sein langfristiger Wunsch bleibe durchaus der Posten des Staatschefs, meinte dagegen die Zeitung "Il Riformista". Denn eigentlich habe der reiche Berlusconi, der vor Jahren einen Prostata-Krebs besiegt hatte, gar keine Lust, sich mit seinen Verbündeten und all den Krisen herumzuschlagen. Und darum träume er vom Umzug in den Präsidentenpalast Quirinale. Wenig Lust, schon wieder wählen zu gehen, zeigten unterdessen die Wähler - zumindest zum Auftakt am Sonntag hatten die meisten offenbar Besseres zu tun.

Zunächst aber zeigte sich Berlusconi im Kampf um Rom siegessicher, ließ sich auf jugendlich trimmen und gab bereits mehrere Wochen vor der Wahl einen Ausblick darauf, wie seine künftige Regierungsmannschaft aussehen könnte: Vertrauensmann Giulio Tremonti beispielsweise erneut als Finanzminister, der bisherige EU-Kommissar Franco Frattini als Chefdiplomat und seine "rechte Hand" Gianni Letta als Boss im Innenministerium. Nun ist der Wähler gefragt, ob Berlusconi triumphiert, oder ob sie mit einem Kreuz für den smarten Linken Walter Veltroni den Plänen des ehemaligen Staatschefs einen Strich durch diese Rechnung machen. 

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