Wahlen in Kuba : Die Revolution entlässt ihre Kinder

Lang wurde von Experten spekuliert, wann der Tag X kommen würde. Beobachter gehen davon aus, das Fidel Castro nicht wieder an die Regierungsspitze zurückkehrt. Unklar bleibt unter dessen, ob es bei einem friedlichen Machtwechsel in Havana bleibt.

Franz Smets[dpa]
Castro
Der kubanische Präsident Fidel Castro. -Foto: AFP

Mexiko-StadtAuf Kuba mehren sich die Zeichen für einen Umbruch: Vieles deutet daraufhin, dass der kranke Revolutionsführer Fidel Castro bald nach den Wahlen zur Nationalversammlung an diesem Sonntag auch formell auf seine Ämter als Staats- und Parteichef verzichten wird. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder Raúl Castro (76) wird dann Präsident des letzten kommunistischen Landes in der westlichen Hemisphäre werden. Ein erster konkreter Hinweis in diese Richtung kam während der offiziellen Visite des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva in Havanna. Lula lud nämlich nicht Fidel, sondern Raúl zu einem Gegenbesuch nach Brasilien ein.

Bislang regiert der 76-Jährige das Land provisorisch, da ihm Fidel seine Ämter nur für die Zeit seiner Erkrankung übergeben hatte. Mittlerweile bekräftigt Fidel Castro aber höchst persönlich, nicht an den Ämtern zu kleben und bereit zu sein, Jüngeren den Weg frei zu machen. Nach der Abreise Lulas veröffentlichten die kubanischen Staatsmedien die neuesten Reflexionen des "Comandante en Jefe", die einen weiteren Fingerzeig lieferten: "Ich bin nicht in der Lage, direkt zu den Nachbarn der Gemeinde zu sprechen, wo man mich zu den Wahlen aufgestellt hat. ... Also tue ich das, was ich kann: Ich schreibe", wurde Fidel zitiert.

Gesundheitszustand Castros ist ein wohl gehütetes Geheimnis

Seit 17 Monaten hatte die Weltöffentlichkeit immer ein und dieselbe Botschaft von Besuchern erhalten, die vom Revolutionsführer am Krankenbett empfangen wurden. Fidel, dessen Gesundheitszustand von Anfang an zum Staatsgeheimnis erklärt worden war, sei auf dem Weg der Genesung, hieß es. Dann ging es ihm sogar von Tag zu Tag besser, wie Regierung und Eingeweihte verlautbarten.

Lula hatte nach seinem Treffen mit dem 81-Jährigen öffentlich zwar ebenfalls noch darüber geschwärmt, wie fit Fidel sei. Doch nach dessen Abflug schob die Führung den zuvor freigegebenen Fotos - den ersten seit Oktober 2007 - ein kurzes Video hinterher, auf dem Castro kaum hörbar murmelte: "Ich habe mich sehr gut gefühlt."

Brasilien handelt ohne den alten Mann

All dies zeigt nach Meinung von Beobachtern, dass die Zeit des Übergangs auf Kuba konkrete Formen annimmt und dass die Frage Kontinuität der Macht vorerst geregelt ist. Es war Raúl, der mit Lula brasilianische Kredite für Kuba vereinbarte und der mit seinem Gast über den Einstieg der Brasilianer in die Erdölförderung im Golf von Mexiko vor der Küste der größten Antilleninsel sprach.

Am Sonntag dürfen die Kubaner die neue Nationalversammlung wählen. Mit einem Kreuz auf der Mitte des Wahlzettels, dem sogenannten "Voto Unido", wählen sie alle von der Führung ausgesuchten 614 Kandidaten auf einen Schlag in das Gremium, auch die Castro-Brüder. Danach hat die Nationalversammlung 35 Tage Zeit, um aus den eigenen Reihen die neue Staatsführung, den Staatsrat und dessen Vorsitzenden, zu wählen. Und bei diese Wahl spricht alles für Raúl.

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