Politik : Wahlen in Mosambik: Machtwechsel im Musterland

Wolfgang Drechsler

Maputo - Auf den ersten Blick wirkt die Hauptstadt von Mosambik wie neu geboren. In den letzten vier Jahren sind im Zentrum Dutzende von neuen Geschäften, Luxushotels und Restaurants entstanden, alte portugiesische Villen wurden restauriert und ganze Straßenzüge aufpoliert. Doch in den Außenbezirken und erst recht in den Provinzen dominiert weiter die traditionelle Lehmbauweise, gibt es weder Strom- noch Wasserleitungen. Trotz der ungleichen Entwicklung, die das Land seit dem Ende des 16-jährigen Bürgerkriegs genommen hat, und obwohl auch hier Armut und Korruption grassieren, gilt Mosambik als ein Musterland Afrikas.

An diesem Mittwoch und Donnerstag wählen die Mosambikaner ein neues Parlament und auch einen neuen Präsidenten. Und anders als in vielen anderen Staaten des Kontinents betrachtet sich der scheidende Staatschef Joaquim Chissano nicht als Regent auf Lebenszeit. Der 68-Jährige, der das Land seit 1986 regiert, tritt bei den Wahlen nicht mehr an.

Er kann eine ansehnliche Bilanz vorweisen: Seit 1992 ein verheerender Bürgerkrieg endete, verbucht die frühere portugiesische Kolonie Wachstumsraten von durchschnittlich fast zehn Prozent im Jahr – und die westlichen Geberländer haben den Wandel mit einem Schuldenerlass und generöser Hilfe honoriert.

Als Nachfolgekandidat für Chissano kürte die regierende Frelimo den 61-jährigen Amando Guebuza, der zu den Gründungsmitgliedern der früheren Widerstandsbewegung zählt. Heute verfügt der mehrfache Dollarmillionär über ein Geschäftsimperium, das vom Tourismus über den Transportsektor bis zum Finanzwesen reicht. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte Guebuza, als er 1974 den portugiesischen Siedlern 24 Stunden Zeit gab, das Land zu verlassen. Ob dieser harte Zug dem von ihm versprochenen Kampf gegen Korruption und Armut zugute kommt oder zur Gefahr für die junge Demokratie wird, bleibt nun abzuwarten.

Guebuzas wichtigster Gegenspieler ist der einstige Rebellenchef Alfonso Dhlakama, der zum dritten Mal kandidiert und sich dank der Unterstützung der Landbevölkerung diesmal zumindest eine kleine Chance auf den Wahlsieg ausrechnet. Die Rebellenbewegung Renamo ist längst zu einer politischen Partei mutiert, die vor allem im Norden des Landes viele Anhänger hat.

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