Politik : Wahlen in Serbien: Djindjic will Milosevic verhaften lassen

Stephan Israel

Serbiens designierter Premier Zoran Djindjic hat nach dem Sieg seiner Koalition die baldige Verhaftung von Ex-Diktator Milosevic angekündigt. Die demokratischen Kräfte verfügen im neuen Parlament über eine Zweidrittelmehrheit, während die Milosevic-Sozialisten auf 13 Prozent kamen. Nach Informationen der Tageszeitung "Pobjeda" wurde bei einer Sitzung des Obersten Verteidigungsrates bereits die Abberufung mehrerer Militärführer beschlossen. Djindjic kündigte zudem die Entlassung des Chefs der Geheimpolizei an. Bundeskanzler Schröder und andere westliche Politiker gratulierten Djindjic zu seinem Wahlerfolg.

"Wir haben genug Material, um eine Untersuchung gegen Milosevic zu lancieren", sagte ein triumphierender Zoran Djindjic nach der für ihn erfolgreichen Wahl. Serbiens designierter Premierminister machte klar, dass mit den Ermittlungen noch im Januar begonnen werden könnte. Serbiens Demokratische Opposition (DOS) hat gegen die alten Regimeparteien den erwarteten Erdrutschsieg erzielt. Das Bündnis von 18 Parteien wird im serbischen Parlament über eine Zweidrittelsmehrheit verfügen. DOS kommt auf 64 Prozent der Stimmen beziehungsweise auf 176 Sitze im 250-köpfigen Parlament. Die Sozialisten (SPS) von Slobodan Milosevic werden auf 13 Prozent beziehungsweise von einst 110 auf 37 Sitze reduziert. Der ehemalige Juniorpartner Vojislav Seselj und seine ultranationalistischen Radikalen bekommen nur noch 23 Sitze. Als Überraschung wird in Belgrad der Einzug der Partei der Serbischen Einheit (SSJ) gewertet, die knapp die Fünf-Prozent-Hürde schaffte. Die SSJ ist die Partei des Milizenführers Arkan, der im vergangenen Jahr in einem Belgrader Hotel unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.

Der gestürzte Autokrat Milosevic kann sich im neuen Parlament nur noch auf eine kleine Gruppe von Abgeordneten stützen. Bald könnte Milosevic auch ohne Schutz dastehen. Über die Ursache der vier Balkankriege während der Milosevic-Ära könne man sich zwar streiten, meinte Djindjic zur Frage der Verfolgung des Autokraten: Milosevic könne aber nur schwer erklären, wie er bei einem Gehalt von offiziell umgerechnet rund 200 Mark in den Besitz einer Villa im Wert von neun Millionen Mark habe gelangen können. Vladan Batic, künftiger Justizminister in der serbischen Regierung, machte klar, dass es mit der Polizeibewachung für Milosevic bald vorbei sein werde: "Slobodan Milosevic ist jetzt ein gewöhnlicher Bürger wie alle anderen auch."

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