Wahlen : Lula bleibt Präsident in Braslilien

In Brasilien ist Luiz Inácio Lula da Silva als Präsident wiedergewählt worden. "Wir werden unser zweites Mandat noch besser ausfüllen als das erste", sagte Lula anschließend.

Brasilia/Sao Paulo - Nach der Auszählung von 90 Prozent der Stimmen kam er in einer Stichwahl mit seinem sozialdemokratischen Herausforderer Geraldo Alckmin auf 60,6 Prozent, wie die Wahlbehörde am Sonntag (Ortszeit) in Brasilia mitteilte. Verlierer Alckmin erkannte den Sieg in einem Telefonat mit Lula an, wie sein Sprecher in Sao Paulo mitteilte.

"Die bedürftigsten Menschen werden jetzt noch mehr Aufmerksamkeit von der Regierung bekommen, weil wir ein noch gerechteres Brasilien wollen", sagte Lula nach Bekanntgabe seines Sieges. Die Wirtschaft werde wachsen und die sozialen Ungerechtigkeiten sich vermindern, versprach er. Lula wollte auch der Korruption den Kampf ansagen und eine strenge Haushaltspolitik anstreben. "Ich glaube, dass das Land die Sternstunde der Festigung der brasilianischen Demokratie erlebt", sagte Lula.

Themenwechsel nach erstem Wahlgang

Rund 126 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, sich zwischen Lula und Alckmin zu entscheiden. In der ersten Runde Anfang Oktober hatte der Staatschef die erforderliche absolute Mehrheit mit 48,6 Prozent noch um Haaresbreite verfehlt. Alckmin hatte mit 41,6 Prozent überraschend knapp dahinter gelegen.

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl war dem Amtsinhaber Lula noch die Polit-Affäre zum Verhängnis geworden, bei der Mitarbeiter aus seinem Stab Bestechungsgelder gezahlt haben sollen, um an belastendes Material gegen die Opposition zu gelangen. Der Präsident, der jede Verbindung zu den Vorgängen abstreitet, geriet unter Druck und entließ mehrere enge Vertraute. Nach dem ersten Wahlgang gelang es Lula jedoch rasch, den Fokus auf Wirtschaftsthemen zu verschieben.

Lula erfolgreich im Kampf gegen die Armut

Der frühere Metallarbeiter und Gewerkschafter warf seinem Herausforderer vor, die Privatisierung der großen Staatsunternehmen betreiben und das erfolgreiche Familienprogramm beschneiden zu wollen. Alckmin dementierte dies und prangerte die Korruptionsskandale während der ersten Amtsperiode Lulas an.

Besonders erfolgreich war Lula in seiner ersten Amtszeit im Kampf gegen die Armut. Dies trug nach Expertenmeinung entscheidend zur erfolgreichen Wiederwahl bei. Laut Statistikamt verdienen die Armen des südamerikanischen Landes heute 8,7 Prozent mehr als bei Lulas erstem Wahlsieg vor vier Jahren. Heute leben 20 Prozent weniger Brasilianer unter der Armutsgrenze als 2002, nämlich 22,7 Prozent. Von dem Familienhilfsprogramm profitieren derzeit elf Millionen Familien. (tso/AFP)

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