Wahlen : Machtwechsel in Australien steht bevor

Nach elf Jahren konservativer Politik bahnt sich auf dem fünften Kontinent ein Linksruck an: Premierminister Howard liegt in den Umfragen deutlich zurück. Verlieren könnte er die Wahlen auch wegen der Themen Irak und Klimaschutz.

Sydney An diesem Samstag wählen in Australien gut 13 Millionen Menschen ein neues Parlament. Nach einer neuen Umfrage des "Sydney Morning Herald" unter 2000 Wählern lag die oppositionelle Labor-Partei mit 57 Prozent Zustimmung auf Siegerkurs. Die konservative Regierungskoalition kam nur auf 43 Prozent.

Premierminister John Howard (68) bewirbt sich bei einer brummenden Wirtschaft und enorm gewachsenem Wohlstand um eine fünfte Amtszeit. Als Konzession an Kritiker auch aus der eigenen Partei, die ihm den Rückzug nahe gelegt hatten, versprach Howard, die Regierungsgeschäfte in 18 Monaten an seinen Finanzminister Peter Costello abzugeben.

Der Labor-Vorsitzende Kevin Rudd (50) hat vor allem auf die Howard-Müdigkeit der Wähler gesetzt. Er versprach einen frischen Führungsstil, doch eine nahtlose Fortsetzung der erfolgreichen Wirtschaftspolitik. Er will aber im Gegensatz zu Howard die australischen Soldaten aus dem Irak abziehen und das Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Treibhausgase ratifizieren.

Labor müsste den Liberalen 16 der 150 Sitze im Parlament abnehmen, um die Mehrheit zu erreichen. Besonders umkämpft ist der Wahlkreis von Howard in Sydney: dort tritt die populäre frühere Fernsehmoderatorin Maxine McKew, die Howard früher öfter interviewte, für Labor an. Howard wäre der erste Premierminister seit 1929, der seinen eigenen Sitz verliert. Insgesamt bewerben sich mehr als 40 Parteien mit 1500 Kandidaten um die Gunst der Wähler, die alle zur Stimmabgabe verpflichtet sind. (mit dpa)

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